Squale Uhren: seit 1959 ausschließlich Taucheruhren

Squale Master x Palombari del COMSUBIN

Also available in: English

Es gibt eine Sorte Uhrenmarke, über die viel geschrieben wird. Und es gibt eine Sorte, über die viel abgeschrieben wird. Squale gehört zur zweiten.

Das ist keine Spitze gegen irgendjemanden. Es hat einen Grund, und der Grund ist die Marke selbst. Squale hat jahrzehntelang das Wichtigste getan, was man in der Uhrenbranche tun kann, ohne dass der eigene Name darauf stand. Sie haben Gehäuse gebaut. Für andere. Wasserdichte Gehäuse zu einer Zeit, als das noch keine Selbstverständlichkeit war, sondern ein Problem, an dem sich reihenweise Hersteller die Zähne ausbissen.

Wenn Ihr eine alte Taucheruhr in der Hand haltet und auf dem Zifferblatt bei sechs Uhr einen kleinen Hai findet oder auf dem Gehäuseboden, dann haltet Ihr ein Squale-Gehäuse in der Hand. Auch wenn auf dem Zifferblatt etwas ganz anderes steht.

In meinem Shop: Alle Squale Taucheruhren in meinem Shop

Squale 1521 Ocean mit blauem Zifferblatt auf rostigem Stahl
Squale und das Wasser: Die Marke aus Neuchâtel hat ihren Namen mit wasserdichten Gehäusen gemacht – lange bevor sie auf eigenen Zifferblättern stand.

Ich verkaufe Squale seit einigen Jahren. In dieser Zeit habe ich gemerkt: Fast alles, was man über die Marke im Netz findet, geht auf eine Handvoll Quellen zurück, die sich gegenseitig zitieren. Manches davon stimmt. Manches ist plausibel. Und einiges ist schlicht nicht belegt, wird aber so selbstverständlich weitergereicht, dass es inzwischen wie Tatsache aussieht.

Dieser Artikel versucht etwas anderes. Er trennt, was belegt ist, von dem, was behauptet wird. Das ist an manchen Stellen unbefriedigend, weil am Ende ein „weiß man nicht“ steht statt einer schönen Geschichte. Ich finde trotzdem, das ist die ehrlichere Variante.


Neuchâtel, 1950

Am Anfang steht kein Taucher und keine Tiefe, sondern eine Uhrenfabrik.

1950 gründen Charles und Helene Von Büren in Neuchâtel die Von Büren SA. Das ist der Beginn, und es ist wichtig, dass Ihr ihn richtig einordnet. Die Von Büren SA baut in dieser Zeit Uhren. Nicht Taucheruhren. Uhren. Die Marke Squale existiert noch gar nicht.

Und sie baut sie nicht nur für sich selbst. Squale schreibt auf der eigenen Philosophieseite, dass in Neuchâtel von Anfang an „Zeitmesser für andere Marken“ entstanden. Das Geschäftsmodell, für das die Firma später berühmt wird, ist also keine spätere Idee. Es steht am Anfang.

Neuchâtel ist dafür kein zufälliger Ort. Der Kanton am gleichnamigen See ist seit dem 18. Jahrhundert eines der Zentren der Schweizer Uhrmacherei. Die Dichte an Zulieferern, Werkzeugmachern und Spezialisten sucht man anderswo vergeblich. Wer dort eine Fabrik aufmacht, hat alles in Reichweite.

Für welche Marken die Von Bürens in den Fünfzigern gearbeitet haben und in welchen Stückzahlen, lässt sich heute nicht mehr sauber rekonstruieren. Die Firmengeschichte, die Squale selbst veröffentlicht, springt von der Gründung 1950 direkt auf 1959. Dazwischen liegen neun Jahre, über die praktisch nichts überliefert ist. Das ist typisch für diese Branche und diese Zeit. Zulieferbetriebe schrieben keine Pressemitteilungen.

Was Squale noch dazuschreibt und was ich schön finde: Das Interesse der Von Bürens an der Unterwasseruhrmacherei entsprang „einer großen persönlichen Leidenschaft für den Tauch- und Wassersport“. Die Marke ist also nicht am Reißbrett entstanden, weil ein Markt da war. Da wollten zwei Leute eine Uhr bauen, die ihrem eigenen Hobby standhält.

Squale Sub-39 GMT Vintage mit grünem Zifferblatt auf Canvas
Die SUB-39 geht auf einen Entwurf von 1962 zurück – einer der ältesten, die es heute noch gibt.
Squale Sub-39 GMT Vintage mit Blick auf die Lünette
Die Lünette der SUB-39 GMT Vintage. Alle Fotos in diesem Artikel sind meine eigenen aus den Tests.

1946, 1948, 1950, 1959 – warum vier Gründungsjahre kursieren

Wenn Ihr nach dem Gründungsjahr von Squale sucht, bekommt Ihr vier verschiedene Antworten. Je nachdem, wo Ihr sucht:

JahrWo es steht
1946in Nachschlagewerken und auf Fachseiten
1948in mehreren internationalen Uhrenmagazinen
1950bei Squale selbst und in weiteren Quellen
1959in der englischsprachigen Wikipedia und bei zahlreichen Händlern

Und keine einzige dieser Quellen erwähnt, dass es die anderen drei gibt.

Das ist kein Skandal, sondern ein Missverständnis, das sich verfestigt hat. In Wahrheit werden hier drei verschiedene Ereignisse durcheinandergeworfen, die alle ihre Berechtigung haben.

Die Gründung der Uhrenfabrik. Von Büren SA, Neuchâtel, 1950. Das ist die Firma.

Die Anmeldung der Marke. Am 10. Juli 1959 meldet Charles Von Büren den Namen „Squale“ an. Im selben Jahr fällt das erste Patent auf ein Taucheruhrengehäuse. Das ist die Geburt der Marke und nicht die der Firma.

Der Beginn der Spezialisierung. Vor 1959: Uhren. Ab 1959: Taucheruhren.

Aus diesem Grund stellt Squale seit 1959 ausschließlich Taucheruhren her.

Squale, Unternehmensphilosophie

Wer also „Squale, gegründet 1959“ schreibt, meint die Marke. Wer „1950“ schreibt, meint die Firma. Beide haben recht, und beide sagen es nicht dazu.

Woher 1946 und 1948 kommen, konnte ich nicht klären. Möglich ist, dass sich diese Jahre auf eine Vorgängerwerkstatt beziehen, für die es keine öffentlich zugängliche Quelle mehr gibt. Möglich ist auch, dass irgendwann jemand eine Zahl falsch abgeschrieben hat und sie seither weiterwandert. Ich weiß es nicht, und ich habe niemanden gefunden, der es weiß.

Eine Randbemerkung, die zum Namen passt: Squale ist das französische Wort für Hai. Der Hai wird das Erkennungszeichen, und zwar an einer Stelle, an der ihn die wenigsten vermuten.


Die Zulieferjahre – und was davon wirklich belegt ist

Hier wird es interessant, und hier wird es unangenehm.

Ab 1960 fertigt die Von Büren SA Gehäuse für andere Marken in größerem Stil. Das ist unstrittig, das sagt Squale selbst, und es ist auch der Grund für ein Detail, das Sammler bis heute suchen. Squale-gefertigte Gehäuse tragen häufig den kleinen Hai – entweder auf dem Zifferblatt bei sechs Uhr oder auf dem Gehäuseboden.

Gehäuseboden der Squale Master Palombari mit Gravur Marina Militare und Squale-Schriftzug
Der Gehäuseboden ist bei Squale die interessanteste Seite der Uhr. Hier die Master der Palombari del COMSUBIN – bei alten Modellen sitzt an dieser Stelle der kleine Hai.

Dass ein Betrieb Gehäuse für die Konkurrenz baute, war damals nichts Anrüchiges, sondern Normalität. Die Schweizer Uhrenindustrie der Fünfziger und Sechziger war ein Netzwerk hochspezialisierter Zulieferer. Der eine machte Werke, der nächste Zifferblätter, der dritte Gehäuse. Wer wasserdichte Gehäuse konnte, war gefragt. Wasserdicht ist kein Zustand, den man erklärt, sondern einer, den man beweisen muss.

Zifferblatt der Squale Master Palombari del COMSUBIN im Detail
Zifferblatt der Master für die Palombari. Wer solche Uhren baut, hat den Gehäusebau nicht dazugelernt.
Squale Master Palombari del COMSUBIN aus näherer Distanz
Das Gehäuse ist bei Squale kein Zulieferteil, sondern die Ursprungsdisziplin.

Und jetzt die Frage, die niemand stellt: Für wen genau?

Wenn Ihr sucht, findet Ihr schnell eine Liste. Zwanzig Namen, manchmal mehr. Große Marken darunter, kleine, längst verschwundene. Die Liste steht in Nachschlagewerken, in Magazinbeiträgen, auf Händlerseiten. Sie sieht sehr belastbar aus. Ich habe versucht, ihr auf den Grund zu gehen. Ich bin bei Folgendem gelandet.

Stufe 1 – am besten abgestützt: Blancpain und Doxa

Diese beiden Namen tauchen in praktisch jeder Quelle auf, unabhängig voneinander, über Jahrzehnte hinweg.

Bei Blancpain gibt es sogar etwas Handfestes. Als vor einigen Jahren ein Projekt alte, nie verbaute Gehäuse aus Lagerbeständen wieder auflegte, trugen diese eine Punzierung: „Rayville SA“. So hieß die Firma hinter Blancpain. Das ist kein Zeitungsartikel, das ist ein Stempel in Metall.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, sonst wird aus einem guten Beleg eine schlechte Legende. Es waren keine Gehäuse der Fifty Fathoms, sondern solche für zivile Bathyscaphe-Modelle. Und ein punziertes Gehäuse beweist zunächst, dass es für Blancpain bestimmt war. Es beweist nicht automatisch, dass Squale es gefertigt hat.

Bei Doxa ist die Quellenlage dünner. Die Übereinstimmung über viele voneinander unabhängige Quellen hinweg ist aber so konsistent, dass ich es für belastbar halte.

Stufe 2 – häufig genannt, nirgends belegt

Diese Namen stehen in mehreren seriösen Quellen. In keiner einzigen davon steht, woher die Information stammt. Kein Archivdokument, kein Registereintrag, keine Gehäusepunzierung, keine Fachliteratur.

Heuer · Sinn · Auricoste · Zeno · La Spirotechnique

Ein Detail macht mich dabei besonders vorsichtig. Viele Texte schreiben „TAG Heuer“. Den Namen TAG Heuer gibt es erst seit 1985. In den Sechzigern und Siebzigern, um die es hier geht, hieß die Marke schlicht Heuer. Wer am Original recherchiert hätte, wäre darüber gestolpert. Dass es fast überall gleich falsch dasteht, sagt mir etwas über den Weg, den diese Liste genommen hat.

TAG Heuer Aquaracer GMT Calibre 7 mit blauem Zifferblatt und Wassertropfen
Eine TAG Heuer Aquaracer aus einem meiner Tests. Und genau das ist der Punkt: In den Sechzigern und Siebzigern, um die es hier geht, gab es diesen Namen noch gar nicht.

Stufe 3 – die vollständige Liste, ausdrücklich unbestätigt

Diese Namen kursieren, teils nur in je einer Quelle, teils in Varianten, die sich untereinander widersprechen. Für keinen einzigen von ihnen habe ich einen Beleg gefunden.

Altanus Genève · Airin · Arlon · Berio · Carlson Tavernier Geneva · Deman Watch · Dodane · Eagle Star Genève · Jean Perret Geneva · Margi · Ocean Diver / Blandford · Potens Prima · Prima Flic · Velester · Wertex

Der einzige Name in dieser Reihe, den auch außerhalb von Sammlerkreisen jemand kennt, ist Dodane. Der französische Hersteller aus Besançon hat Militärchronographen gebaut, unter anderem den Type 21 für die französische Luftwaffe, und existiert heute als Dodane 1857 wieder. Wenn an dieser Liste etwas dran ist, dann wäre Dodane der Name, bei dem sich eine ernsthafte Nachforschung am ehesten lohnt.

Was das für Dich bedeutet

Wenn Du eine alte Uhr mit Hai-Signatur besitzt: Das ist ein echtes Indiz und eine schöne Sache. Wenn Dir jemand eine Vintage-Uhr mit den Worten „Gehäuse von Squale“ verkaufen will und kein Hai zu finden ist, dann frag nach, woher er das weiß.

Und wenn Du es besser weißt als ich, dann schreib mir. Wenn Du ein Dokument hast, eine Rechnung, ein punziertes Gehäuse, eine Fundstelle in der Fachliteratur, dann trage ich es nach und nenne die Quelle. Ich habe bei Squale selbst angefragt. Wenn von dort etwas kommt, steht es hier.


Die Rekorde: 67 Meter, 76 Meter, ein Atemzug

1959 hat Squale den eigenen Namen. 1962 kommen die ersten Modelle ausschließlich unter dieser Marke, darunter der Prototyp der SUB-39, die es bis heute in der Kollektion gibt. 1965 folgt der Master.

Und dann kommen zwei Männer, die aus einer Uhrenmarke eine Geschichte machen.

Enzo Maiorca, 1967, 67 Meter

1967 stellt der italienische Apnoetaucher Enzo Maiorca einen Weltrekord auf: 67 Meter. Am Handgelenk ein Squale Master.

Squale Master Palombari mit blauem Zifferblatt und Tauchausrüstung
Die Master von heute, hier in der Ausführung für die italienischen Marinetaucher.
Squale Master Titanium mit blauem Wellenzifferblatt
Die Master Titanium. Die Reihe gibt es seit 1965 – sie trug Maiorca auf 67 Meter.

Es lohnt sich, kurz zu verstehen, was das heißt. Apnoe bedeutet: ein Atemzug. Kein Gerät, keine Flasche, keine zweite Chance. Auf 67 Metern lastet fast das Achtfache des Drucks an der Oberfläche. Der Brustkorb wird zusammengedrückt, die Lunge schrumpft auf einen Bruchteil ihres Volumens. Mediziner hielten Tauchgänge in diese Tiefe damals für tödlich.

Für eine Uhr ist das ein Belastungstest, den kein Prüfstand ersetzt. Nicht nur der Druck zählt, sondern die Geschwindigkeit, mit der er kommt und geht.

Interessant ist auch das Umfeld. In einer Squale-Anzeige aus dieser Zeit stehen neben dem Master das kubanische Team der Weltmeisterschaft 1967 und der französische Meister Tony Salvatori. Squale rüstete nicht einen Ausnahmesportler aus, sondern eine ganze Szene.

Gehäuseboden der Squale Master Titanium mit Wellengravur und 120 Atmos
Gehäuseboden der Master Titanium: 120 Atmos. Die Zahl ist bei Squale kein Marketing, sie ist das Geschäftsmodell.

Jacques Mayol, 1970, 76 Meter

Drei Jahre später geht der Franzose Jacques Mayol in Japan auf 76 Meter, mit dem Modell 2002, das Squale 1968 eingeführt hatte.

Mayol ist der Bekanntere der beiden, auch weil Luc Bessons Film Im Rausch der Tiefe seine Rivalität mit Maiorca verarbeitet hat. Squale selbst nennt seine Leistung einen „historischen Rekord“ und ausdrücklich nicht einen Weltrekord. Ich übernehme diese Unterscheidung, weil sie in der Quelle so steht.

Bemerkenswert ist, was aus diesen beiden Rekorden im Netz geworden ist: fast nichts. Die englischsprachige Wikipedia erwähnt Mayol in einem Nebensatz, ohne Jahr und ohne Tiefe. Maiorca kommt dort gar nicht vor. Dabei ist das der Moment, in dem eine Gehäusefabrik aus Neuchâtel zu einer Marke mit eigener Geschichte wird.


Dienstuhren: Marine, Fallschirmjäger, Staatspolizei

Es gibt einen Unterschied zwischen einer Uhr, die für Taucher gemacht ist, und einer Uhr, die eine Behörde bestellt. Die erste muss überzeugen. Die zweite muss eine Beschaffungsstelle überzeugen, und die interessiert sich nicht für Design.

Squale hat beides. Drei Einsätze sind dokumentiert.

Squale Master Palombari del COMSUBIN seitlich mit Lünette
Die Master für die Palombari del COMSUBIN, die Taucher der italienischen Marine.
Squale Master Palombari del COMSUBIN am Kautschukband
Dieselbe Uhr am Kautschukband. Keine Vitrinenuhr, sondern Dienstgerät.

Die italienische Marine

Squale wird offizieller Lieferant der Marina Militare. Der eigene Zeitstrahl ordnet das den Jahren nach der Einführung der 1521 zu, also den Siebzigern und danach. Die Kooperationsseite von Squale wird deutlicher und schreibt, dass die Zusammenarbeit in den 1980er-Jahren begann. Genannt wird dort auch der Ort: La Spezia, der große Marinestützpunkt an der ligurischen Küste.

Ich nenne bewusst die Achtziger und nicht die Siebziger. Squale schreibt selbst von „über vierzig Jahren“ Zusammenarbeit. Ab 1970 wären es über fünfzig. Die Zahl passt zu den Achtzigern.

Die Folgore

Im selben Zug wird Squale Lieferant der Fallschirmjägerbrigade Folgore. Das ist der eine Eintrag, bei dem ich gern mehr hätte. Auf der Kooperationsseite taucht die Folgore nicht auf. Sie steht nur im Zeitstrahl, ohne Jahr, ohne Modell, ohne Stückzahl. Mehr habe ich nicht gefunden, und ich schreibe hier nicht mehr hin, als ich belegen kann.

Die Polizia di Stato

2017 wird Squale offizieller Lieferant der Tauchereinheit der italienischen Staatspolizei. Dafür entsteht eine Sonderedition des Modells 2002.

Das ist der jüngste der drei Einsätze und der am besten dokumentierte. Er ist auch der interessanteste, weil er nicht aus der Vergangenheit stammt. Eine Behörde, die 2017 eine Taucheruhr ausschreibt, hätte jede Alternative der Welt zur Auswahl.

Was Ihr aus den drei Einträgen mitnehmen könnt: Squale ist nicht deshalb eine Taucheruhrenmarke, weil das Marketing es sagt. Da haben Leute, die unter Wasser arbeiten, eine Entscheidung getroffen und sind dabei geblieben.

Squale Master Palombari del COMSUBIN vor blauer Tauchausrüstung
Blau, orange, Tauchermaske: die Farbwelt, aus der Squale kommt.
Squale 2001 Marina Militare mit blauem Zifferblatt und blauem Kautschukband
Die 2001 Marina Militare – die Reihe mit dem stärksten Marine-Bezug im heutigen Programm.

Ich habe die Master in der Ausführung für die Palombari getestet, den Bericht findest Du hier: Squale Master x Palombari del COMSUBIN im Test.


1982 bis 2005: die Jahre, über die niemand schreibt

Hier ist die Stelle, an der die meisten Texte einen Absatz machen und bei 2005 weiterreden. Dabei passiert genau hier das, was die Marke bis heute prägt.

1982: Charles Von Büren verkauft

1982 verkauft Charles Von Büren die Marke Squale an die italienische Familie Maggi und geht in den Ruhestand.

Das kommt nicht aus dem Nichts. Die Maggis waren seit Jahren der italienische Vertriebshändler von Squale, und der Zeitstrahl notiert für 1980 ausdrücklich, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Familien immer enger wurde. Zwei Jahre später gehört ihnen die Marke.

Das erklärt etwas, worüber sich viele wundern: warum eine Schweizer Marke so italienisch ist. Die Kundschaft, die Einsätze bei Marine und Polizei, der Vertrieb, die Sammlerszene. Seit 1982 gehört Squale einer italienischen Familie. Der Sitz der Firma wird später sogar für Jahrzehnte in Mailand liegen.

1984 und 1988: zwei Modelle, die kaum jemand kennt

1984 kommt die Rambo. Eine professionelle Uhr mit integriertem Kompass. Der Name stammt erkennbar aus dem Kino der Zeit. Die Idee dahinter war nicht albern, sondern konsequent: eine Uhr, die mehr kann als Zeit anzeigen, für Leute, die unter Wasser die Richtung finden müssen.

1988 folgt die Tiger. Danach hört der Zeitstrahl auf. Der nächste Eintrag ist 2005.

Siebzehn Jahre nichts

Zwischen 1988 und 2005 verzeichnet Squale selbst keinen einzigen Eintrag. Kein Modell, keine Kooperation, kein Jubiläum.

Ich kann Euch nicht sagen, was in diesen Jahren passiert ist, weil es dazu keine belastbare Quelle gibt. Was ich sagen kann, ist, wie die Branche in dieser Zeit aussah. Die Quarzkrise hatte die Schweizer Uhrenindustrie zerlegt. Von den Marken, die die Siebziger überlebten, verschwand in den Achtzigern und Neunzigern ein großer Teil. Wer eine kleine, spezialisierte Marke ohne Konzern im Rücken besaß, stand vor der Wahl, sie stillzulegen oder Lizenzen zu vergeben.

Squale wurde nicht abgewickelt. Die Marke blieb im Familienbesitz und wurde eingemottet. Das ist der entscheidende Unterschied zu den vielen Namen, die in dieser Zeit endgültig verschwanden.

2005: der Neustart

2005 beschließt die Familie Maggi, Squale zurückzubringen und die bekanntesten Modelle wieder aufzulegen.

Das ist ein Satz, und er verdient mehr Aufmerksamkeit, als er bekommt. Eine Marke nach siebzehn Jahren Stillstand neu zu starten, ist kein Selbstläufer. Es funktioniert nur, wenn zwei Dinge stimmen. Es muss noch Leute geben, die sich erinnern. Und es muss etwas geben, das man wieder auflegen kann, ohne es zu erfinden.

Squale hatte beides. Die 1521 aus den Siebzigern ist bis heute das meistverkaufte Modell der Marke.

Squale 1521 Ocean in Blau vor rostigem Hintergrund
Die 1521 in Blau. Der Entwurf stammt aus den Siebzigern und hat die siebzehn stillen Jahre überlebt.

Die Modelle: was es gibt und wofür es steht

Squale hat kein breites Programm. Das ist Absicht. Es gibt im Wesentlichen eine Handvoll Familien, und fast jede davon hat einen Ursprung in der eigenen Geschichte.

In meinem Shop: Alle Squale Taucheruhren in meinem Shop

Squale 1521 Ocean seitlich mit Blick auf Gehäuse und Lünette
Die 1521 ist das Rückgrat der Marke und mit Abstand die größte Familie in meinem Shop.
Squale 1545 GG.AC in der Dreiviertelansicht
Die 1545 ist der günstigste Einstieg – und trotzdem eine volle Squale.

1521 – das Rückgrat

Eingeführt in den Siebzigern, bis heute das Modell, an das die meisten denken. Klassische Taucheruhrenform, 500m, drehbare Lünette. Es gibt sie in Stahl, in Bronze, mit Mesh-Band, mit Kautschuk, in Sonderauflagen. Wenn Du eine Squale willst und nicht weißt, welche, dann ist die 1521 die Antwort, bis Du einen Grund findest, sie nicht zu nehmen. Ich habe die 1521 Ocean Mesh getestet und die 1521 Sea Shepherd vorgestellt.

2002 und 2001 – die Rekorduhr und ihre Schwester

Die 2002 kam 1968 und ist das Modell, mit dem Jacques Mayol 1970 auf 76 Meter ging. Sie ist außerdem das Modell, das 2017 die italienische Staatspolizei bekam. Wenn eine Squale eine Geschichte hat, dann diese. Die 2001 ist die zugehörige Reihe mit dem stärksten Marine-Bezug – die 2001 Marina Militare habe ich vorgestellt, als sie kam.

Master – die Uhr von 1965

Die Master kam 1965 und trug 1967 Enzo Maiorca auf 67 Meter. Heute ist sie die kompromissloseste Reihe im Programm, unter anderem in Titan. Die Master Titanium ist die teuerste Squale, die ich führe.

Squale Matic Satin Black mit schwarzem Zifferblatt und orangen Akzenten in der Hand
Die Matic kam 2015 und ist die Reihe, die am wenigsten nach Vintage aussieht.
Squale Sub-39 GMT Vintage am Stahlband
Die SUB-39 GMT Vintage ist das einzige Modell im Programm mit zweiter Zeitzone.

SUB-39 – der älteste Entwurf

Der Prototyp der SUB-39 stammt von 1962 und gehört damit zu den allerersten Uhren, die überhaupt den Namen Squale trugen. Zum 60. Geburtstag der Marke 2019 legte Squale die Kollektion in einer auf 150 Stück limitierten Auflage neu auf. Die SUB-39 GMT Vintage habe ich getestet.

Matic – die moderne Interpretation

Die Matic kam 2015 und ist die Reihe, die am wenigsten nach Vintage aussieht. Dazu gibt es seit einiger Zeit die Matic S Kollektion. Ich habe die Matic Satin Black Mesh getestet.

T-183, 1545 und Super Squale

2020 bringt Squale mit der T-183 das erste Modell aus Fiberglas und Carbon. Das ist der Ausreißer im Programm und das Gegenteil von Vintage. Die 1545 ist die günstigste Familie bei mir, die 1545 GG.AC habe ich getestet. Die Super Squale greift die Skin-Diver-Form der Sechziger auf und liegt preislich knapp darüber.

Galeazzi und DRASS – die Partnerschaft seit 2021

2021 erscheint das erste Squale-Galeazzi-Modell und markiert den Beginn der Partnerschaft mit Drass Galeazzi. Galeazzi ist kein Uhrenname. Es ist einer der ältesten Namen der italienischen Tauchtechnik, und DRASS baut heute Tauchsysteme, Druckkammern und Rettungsgerät für U-Boote.

Squale Master Titanium Grand Bleu und Grand Vert nebeneinander
Master Titanium Grand Bleu und Grand Vert – die kompromisslose Seite des Programms.
Squale 2001 Marina Militare in der Seitenansicht
Die 2001 in der Marina-Militare-Ausführung.
Squale Galeazzi Artiglio in der Dreiviertelansicht mit blauem Zifferblatt
Das jüngste Ergebnis der Partnerschaft mit Drass Galeazzi: die Galeazzi Artiglio, limitiert auf 500 Stück.

Welche Squale passt zu Dir

Bei mir liegen die Squale-Modelle aktuell zwischen rund 900 und 2.750 Euro. Das ist eine Momentaufnahme und keine Preisliste. Sie zeigt aber die Spannweite: Squale ist keine Einsteigermarke und keine Luxusmarke. Es ist die Klasse dazwischen, in der man für sein Geld Substanz bekommt statt Namen.

Damit Du Dich darin zurechtfindest, hier die Sortierung, die ich auch im Gespräch benutze. Nicht nach Preis, sondern danach, wer Du bist.

Der Erste. Erste echte Schweizer Taucheruhr, will nichts falsch machen.
→ 1545, 890 bis 1.010 Euro. Zehn Modelle, günstigster Einstieg, trotzdem volle Squale.

Der Eine. Will die Squale, das Modell, das man meint, wenn man Squale sagt.
→ 1521, 31 Varianten von 1.145 bis 1.745 Euro. Die größte Auswahl im ganzen Programm. Hier entscheidet nur noch Farbe und Band.

Der Anzugträger. Taucheruhr, die unter den Hemdsärmel passt.
→ Super Squale oder SUB-37 Legend, 1.160 bis 1.650 Euro. Skin-Diver-Linie, flacher, zurückhaltender.

Der Täglich-Tragende. Eine Uhr für alles, modern statt vintage.
→ Matic, 17 Varianten, 1.490 bis 1.820 Euro.

Der Reisende. Zweite Zeitzone.
→ SUB-39 GMT Vintage, 1.890 bis 2.080 Euro. Das einzige Modell im Programm, das diese Frage beantwortet.

Der Sammler. Will die Geschichte am Handgelenk.
→ 2001 oder 2002, 1.770 bis 1.990 Euro. Die Form, mit der Mayol 1970 auf 76 Meter ging. Oder die Galeazzi Artiglio, 500 Stück.

Der Kompromisslose.
→ Master Titanium, 2.450 bis 2.750 Euro, 1.200 Meter. Oder T-183 Forged Carbon, 2.010 Euro, wenn Gewicht das Thema ist.

Squale 1545 GG.AC mit grauem Zifferblatt und roten Akzenten
Die 1545 in Grau. Mein Vorschlag für die erste Squale.
Squale 1545 GG.AC am Handgelenk
40 Millimeter am 17,2-Zentimeter-Handgelenk. Squale trägt sich kleiner, als die Zahlen vermuten lassen.

Und jetzt der Teil, den sonst keiner schreibt

Ab etwa 1.500 Euro entscheidet bei Squale nicht mehr das Budget, sondern das Handgelenk und der Geschmack. Eine Matic ist der 1521 nicht überlegen, sie ist anders. Wer in dieser Mitte nach dem „besseren“ Modell sucht, sucht etwas, das es nicht gibt.

Deshalb frage ich Kunden an dieser Stelle nicht nach dem Preis, sondern danach, wann sie die Uhr tragen wollen.

Squale Sub-39 GMT Vintage am Handgelenk
Die SUB-39 GMT Vintage am Handgelenk. Wer eine zweite Zeitzone braucht, hat im Programm genau eine Wahl.

Vom Tessin aus – und der Umzug, über den kaum jemand spricht

Jetzt kommt der Fund, bei dem ich beim Recherchieren kurz innegehalten habe.

Bis 2020 saß Squale in Mailand.

Squale schreibt das selbst in den Zeitstrahl: 2020 verlegt das Unternehmen seinen Hauptsitz ins Tessin und schließt seinen Hauptsitz in Mailand. Das ist keine Randnotiz. Das ist die Erklärung für eine Frage, die im Handel dauernd gestellt wird und die sonst niemand sauber beantwortet.

Squale SA · C.so San Gottardo 54/A · Chiasso · CHE-100829625

Firmierung im Impressum jeder Squale-Seite

Chiasso liegt im Kanton Tessin, direkt an der italienischen Grenze. Von dort bis zum Mailänder Stadtrand sind es rund fünfzig Kilometer. Der Umzug war also geografisch ein kleiner Schritt und formal ein großer. Aus einer Schweizer Marke mit italienischer Zentrale wurde eine Schweizer Marke mit Schweizer Zentrale.

Die Montage findet laut Squale „in unseren Labors im Tessin“ statt. Lugano oder Mendrisio werden nirgends genannt, Chiasso steht nur im Impressum.

Nebenbei: Squale betreibt ein Museum. Es ist rein virtuell. Keine Adresse, keine Öffnungszeiten. Wenn Ihr irgendwo lest, man könne das Squale-Museum in Chiasso besuchen, dann stimmt das nicht.

Squale Sub-39 GMT Vintage von der Seite
Montiert wird im Tessin. Die Werke kommen von Sellita und ETA.

Swiss Made bei Squale

Die Eckdaten zuerst. Squale SA ist eine Schweizer Gesellschaft mit Sitz in Chiasso und der Handelsregisternummer CHE-100829625. Die Werke stammen von Sellita und ETA, also aus der Schweiz. Die Montage beschreibt Squale als Arbeit in den eigenen Labors im Tessin.

Und dann hat Squale etwas, das in dieser Klasse sonst keine Marke vorweisen kann. Das Gehäuse ist die Disziplin, auf der diese Firma gebaut ist. 1959 fällt das erste Patent auf ein Taucheruhrengehäuse. Ab 1960 baut Von Büren Gehäuse für andere Marken, und zwar gut genug, dass sie in der halben Branche landen. Der Hai auf dem Gehäuseboden ist genau deshalb ein Erkennungszeichen geworden.

Das ist der Punkt, an dem sich der Kreis zum Anfang dieses Artikels schließt. Wenn Du eine Squale in die Hand nimmst, hältst Du das Bauteil in der Hand, mit dem diese Firma ihren Namen gemacht hat.

Squale Master Palombari del COMSUBIN mit Tauchermaske im Hintergrund
Wasserdicht ist kein Zustand, den man erklärt, sondern einer, den man beweisen muss.
Squale 1521 Ocean mit Wassertropfen auf dem Glas
Wassertropfen auf dem Glas der 1521. Dafür ist die Uhr gebaut.

Was für Dich zählt, kann ich Dir dazu sofort sagen: Die Uhren, die bei mir stehen, kommen vom offiziellen Vertrieb. Nicht aus einem Graumarkt, nicht aus einer Sammlungsauflösung, nicht von einer Plattform.


Vincenzo Ferri – der Tiefenanspruch von heute

Maiorca und Mayol sind großartige Geschichten. Sie sind aber auch fünfzig Jahre alt, und jede Marke kann sich eine Vergangenheit ans Revers heften. Squale hat etwas, das aktuell ist.

Seit 2020 ist der italienische Apnoetaucher Vincenzo Ferri offizieller Squale-Botschafter. Was er in dieser Zeit erreicht hat:

JahrLeistung
2021italienischer Rekord, 104m im Konstantgewicht mit Bi-Fins, Bahamas
2022Weltrekord Monoflosse, 101m
2023Weltrekord Bi-Fins, 91m

Dazu vier Europameisterschaften und fünf Weltmeisterschaften.

Technik vor Tiefe, immer.

Vincenzo Ferri, Squale-Botschafter

Das ist erstaunlich unmarketing für jemanden, der von Tiefenrekorden lebt, und genau deshalb glaubwürdig.

Zum Vergleich, und damit die Zahlen etwas bedeuten: Maiorca stellte 1967 mit 67 Metern einen Weltrekord auf, den Mediziner für unmöglich hielten. Ferri geht heute über hundert Meter. In beiden Fällen ist am Handgelenk eine Squale.

Squale Master Titanium Grand Vert mit türkisem Zifferblatt
Die Master Grand Vert – eines der Modelle, die Squale Vincenzo Ferri zuordnet.
Squale 1521 Sea Shepherd Sondermodell im Detail
Und die 1521, seit den Siebzigern der Klassiker der Marke.

Die Modelle, die Squale ihm zuordnet, sind die Master Grand Bleu und Grand Vert, die 1521 Classic, die 2001 Sand und die 1521 Ocean Rubber.


Garantie und Service: was passiert, wenn etwas ist

Das ist das Kapitel, das in keinem Squale-Artikel im Netz vorkommt. Ich habe danach gesucht. Servicekosten, Serviceintervall, Ersatzteilversorgung: null Treffer. Nicht bei den Magazinen, nicht bei den Händlern, nicht bei den Sammlerseiten. Dabei ist das die Frage, die nach dem Kauf wichtig wird.

Die Garantie

Auf jede Squale, die Du bei mir kaufst, hast Du zwei Jahre Garantie. Das ist der Standard der Marke und gilt international ab Kaufdatum.

Zwei Jahre klingen nach wenig, wenn man Marken kennt, die mit fünf werben. Der Unterschied in der Praxis ist kleiner, als er aussieht. Was in diesen zwei Jahren kaputtgeht, ist in aller Regel ein Material- oder Montagefehler, und der zeigt sich früh. Was nach fünf Jahren ansteht, ist keine Garantiefrage, sondern eine Revision.

Wer sich kümmert

Wenn etwas ist, schickst Du die Uhr zu mir. Ich kläre das mit Squale, verfolge den Vorgang und melde mich bei Dir. Du telefonierst nicht mit einer Hotline in der Schweiz. Du füllst kein Formular auf Englisch aus. Du erklärst nicht dreimal dasselbe. Einer kümmert sich, und Du weißt, wer.

Ich sage bewusst nicht, dass ich das Servicecenter bin. Das wäre gelogen. Die Uhr wird nicht bei mir geöffnet, nicht bei mir revidiert und nicht bei mir druckgeprüft. Das macht Squale. Was ich mache, ist die Abwicklung – und wer schon einmal versucht hat, eine Reparatur bei einer kleinen ausländischen Marke selbst zu organisieren, weiß, dass genau das die Arbeit ist.

Revision

Eine Taucheruhr, die benutzt wird, gehört alle paar Jahre zum Service. Dichtungen altern, auch wenn die Uhr im Schrank liegt. Wer wirklich taucht, sollte die Wasserdichtigkeit regelmäßig prüfen lassen.

Was das kostet, habe ich bei Squale direkt erfragt: rund 100 bis 200 Euro, je nach Modell und Werk.

Diese Zahl steht, soweit ich sehen kann, an keiner anderen Stelle im Netz. Ich habe in der Recherche für diesen Artikel gezielt danach gesucht – kein Magazin, kein Händler, keine Sammlerseite nennt einen Revisionspreis für Squale. Deshalb steht sie jetzt hier.

Und weil die Frage dann meistens kommt: Bis heute hat keiner meiner Squale-Kunden eine Revision gebraucht oder auch nur danach gefragt. Die Uhren laufen.

Rückseite der Squale 1545 GG.AC mit verschraubtem Gehäuseboden
Verschraubter Gehäuseboden. Was dahinter liegt, macht Squale – die Abwicklung mache ich.
Squale Matic Satin Black von der Seite
Dichtungen altern auch im Schrank. Deshalb gehört eine Taucheruhr alle paar Jahre geprüft.

Neu oder gebraucht – und mein dritter Weg

Die Frage bekomme ich oft, und ich beantworte sie hier ausführlicher, als es in ein Verkaufsgespräch passt.

Der ehrliche Teil zuerst: Bei eingestellten Referenzen ist gebraucht der einzige Weg. Wenn Du eine Rambo von 1984 willst oder eine frühe 1521 mit einem bestimmten Zifferblatt, dann gibt es die neu nicht mehr. Da hilft kein Händler, auch ich nicht. Dann geht es auf den Gebrauchtmarkt, und das ist völlig in Ordnung.

Für alles, was aktuell im Programm ist, sieht die Rechnung anders aus. Dafür gibt es vier Gründe.

Echtheit

Squale ist eine Marke mit viel Vintage, vielen Sonderauflagen und einer aktiven Sammlerszene. Das zieht Redials an, also nachträglich neu bedruckte Zifferblätter. Es zieht Teileuhren an, bei denen Gehäuse, Werk und Zifferblatt aus drei verschiedenen Uhren stammen.

Und es zieht die Behauptung „NOS“ an. NOS steht für New Old Stock. Gemeint ist eine alte Uhr, die nie verkauft und nie getragen wurde und seit Jahrzehnten originalverpackt im Lager eines Händlers lag. Das gibt es wirklich, und es ist selten. Behauptet wird es sehr viel häufiger, als es vorkommt, und nachprüfen kann man es fast nie.

Hier ist der Befund, der mich bei der Recherche für diesen Artikel überrascht hat: Es gibt im gesamten Netz keinen einzigen Beitrag, der erklärt, wie man eine Squale auf Echtheit prüft. Nicht bei den Magazinen, nicht auf den Sammlerseiten. Bei einer Marke mit diesem Vintage-Anteil ist das bemerkenswert.

Service, Garantie, Zustand

Eine gebrauchte Uhr aus unbekannter Quelle hat keine Historie. Niemand weiß, ob sie schon einmal offen war, ob die Dichtungen getauscht wurden, ob sie jemals druckgeprüft wurde. Und niemand ist zuständig, wenn etwas ist. Ein Servicevorgang über die Schweiz ist nichts, was man nebenbei erledigt.

Dazu kommt: Die zwei Jahre Garantie gelten ab Kaufdatum. Bei einer gebrauchten Uhr ist davon je nach Alter wenig oder nichts übrig. Und eine Taucheruhr wird benutzt. Salzwasser, Sonne, Stöße. Was man auf Fotos sieht, ist das Gehäuse. Was man nicht sieht, ist alles andere.

Und dann gibt es bei mir noch einen dritten Weg: Fotouhren

Für jedes Review fotografiere und filme ich die Uhr. Ausgiebig. Sie wird getragen, ins Wasser gehalten, von allen Seiten aufgenommen. Danach ist sie nicht mehr neu, aber sie ist auch keine gebrauchte Uhr im üblichen Sinn.

Diese Uhren nenne ich Fotouhren, und ich verkaufe sie als das, was sie sind.

Squale 1521 Sea Shepherd am Handgelenk eines Crewmitglieds am Steuerrad
Die 1521 Sea Shepherd an Bord. Genau dafür ist so eine Uhr gemacht.
Squale 1521 Sea Shepherd am Arm, darüber ein Oktopus an Bord
Und genau das sieht man einer Uhr später nicht mehr an. Bei einer Fotouhr weißt Du, was sie erlebt hat.

Jede Fotouhr gibt es nur einmal. Der Zustand ist in aller Regel sehr gut bis top, und wenn es einen Mangel gibt, steht er bei der jeweiligen Uhr einzeln dabei. Es gibt ab Kaufdatum zwei Jahre Garantie, also genauso viel wie auf eine neue. Und zu fast jeder dieser Uhren existiert ein Review von mir, im Blog oder als Video oder beides.

Das ist der Punkt, an dem die Rechnung von oben kippt. Alle vier Gründe, die gegen eine gebrauchte Uhr aus unbekannter Quelle sprechen, treffen hier nicht zu. Die Echtheit steht außer Frage, weil die Uhr vom offiziellen Vertrieb kam und seitdem bei mir war. Die Historie kennst Du, weil Du sie im Video sehen kannst. Der Service läuft über mich. Und die Garantie beginnt bei Deinem Kaufdatum und nicht bei irgendeinem.

Squale-Fotouhren sind regelmäßig dabei. Hier sind alle aktuellen Fotouhren – sie sind nicht immer verfügbar, und eine bestimmte kommt in dieser Konfiguration meistens nicht wieder.

Squale 1521 Sea Shepherd mit orangefarbener Lünette
Sondermodelle wie die 1521 Sea Shepherd sind schnell weg – und tauchen später kaum wieder auf.

Warum Squale bei mir steht

Ich führe nicht viele Marken, und ich nehme keine auf, nur weil sich etwas verkauft. Squale ist aus drei Gründen dabei.

Erstens die Substanz. 500m und mehr, Schweizer Werke von Sellita und ETA, Lünetten und Gehäuse, die halten, was die Zahl auf dem Zifferblatt verspricht. Es gibt in dieser Preisklasse einiges, was nach Taucheruhr aussieht. Es gibt nicht viel, das die Geschichte dazu hat.

Zweitens die Größe. Squale ist klein genug, dass die Modelle nicht beliebig sind, und groß genug, dass es die Marke in fünf Jahren noch gibt. Das ist eine Kombination, die seltener ist, als man denkt.

Drittens die Kundschaft. Die Leute, die bei mir eine Squale kaufen, wissen meistens, was sie da kaufen. Das sind keine Impulskäufe. Und wer eine Squale hat, kommt für die nächste wieder.

Was bei mir dazugehört

Squale Galeazzi Artiglio am Handgelenk unter dem Ärmel einer Feldjacke
Eine Squale ist keine Vitrinenuhr. Sie ist dafür gemacht, getragen zu werden.

Alles ist original. Die Uhren kommen vom offiziellen Vertrieb. Kein Graumarkt, keine Sammlungsauflösung, keine Plattform, bei der am Ende niemand haftet.

Alles läuft über mich. Kauf, Garantie, Service, Rückfragen. Ein Ansprechpartner, der die Marke kennt und den Du erreichst. Kein Callcenter, kein Ticketsystem, kein Formular auf Englisch.

Ich kenne die Uhren, die ich verkaufe. Zu den meisten Squale-Modellen in meinem Shop gibt es ein Review von mir, im Blog oder als Video. Ich schreibe nicht ab, was der Hersteller schickt. Ich habe die Uhr am Handgelenk gehabt, bevor sie bei Dir ankommt.

Ich schreibe, was ich weiß, und sage, was ich nicht weiß. Dieser Artikel ist dafür das Beispiel. An mehreren Stellen steht hier „das konnte ich nicht klären“. Das hätte ich weglassen können. Ich halte es für den wichtigeren Teil.

Squale Matic Satin Black am Milanaise-Band
Jedes Foto in diesem Artikel stammt aus einem meiner eigenen Tests.
Squale Master für die Palombari del COMSUBIN auf einer Matte der Marina Militare
Kein Herstellerbild, kein Stockfoto: meine Uhren, meine Fotos.

In meinem Shop: Alle Squale Taucheruhren in meinem Shop


Mein Fazit

Squale ist die Marke, deren wichtigste Arbeit jahrzehntelang unter fremdem Namen lief. Sie hat Gehäuse gebaut, als das ein ungelöstes Problem war. Sie hat zwei Apnoetaucher auf Tiefen begleitet, die Mediziner für tödlich hielten. Sie hat die Quarzkrise überlebt, indem sie sich siebzehn Jahre lang stillgelegt hat, und sie ist 2005 zurückgekommen, weil noch jemand da war, der sich erinnerte.

Was mich an dieser Marke interessiert, ist aber nicht nur die Geschichte. Es ist, dass sie nie so getan hat, als wäre sie etwas anderes. Squale baut Taucheruhren. Seit 1959 ausschließlich. Keine Dresswatch-Ausflüge, keine Smartwatch-Phase, keine Neuerfindung alle fünf Jahre. Und ich finde, das merkt man den Uhren an.

Zwei Dinge bleiben offen: der Beleg für die Abnehmerliste und die Frage, woher die Jahreszahlen 1946 und 1948 stammen. Ich habe bei Squale angefragt. Was zurückkommt, trage ich nach und schreibe das Datum dazu.

Wenn Du etwas davon weißt, schreib mir.


Häufige Fragen zu Squale

Wo werden Squale-Uhren hergestellt?

Squale SA sitzt in Chiasso im Kanton Tessin, Handelsregisternummer CHE-100829625. Die Montage findet laut Hersteller in den eigenen Labors im Tessin statt. Bis 2020 lag der Hauptsitz in Mailand, seitdem ist die Firma vollständig in der Schweiz.

Was kostet eine Revision bei Squale?

Rund 100 bis 200 Euro, je nach Modell und Werk. Diese Auskunft habe ich direkt bei Squale eingeholt. Abwickeln kannst Du sie über mich.

Welche Garantie gibt es auf eine Squale?

Zwei Jahre ab Kaufdatum, international. Bei mir gekauft heißt: Die Abwicklung läuft über mich.

Ist Squale eine Microbrand?

Nein. Die Firma existiert seit 1950, die Marke seit 1959, und sie hat durchgehend eigene Fertigung betrieben. Microbrands sind in aller Regel Vertriebsmarken ohne eigene Produktionsgeschichte.

Welche Werke verbaut Squale?

Schweizer Automatikwerke, überwiegend von Sellita und ETA. Quarz spielt bei den aktuellen Modellen keine Rolle.

Hat Squale Gehäuse für Blancpain gebaut?

Das ist die am besten abgestützte Zuschreibung, aber sie ist nicht abschließend bewiesen. Es gibt Gehäuse aus alten Lagerbeständen mit der Punzierung „Rayville SA“, also der Firma hinter Blancpain, und es waren Gehäuse für zivile Bathyscaphe-Modelle, nicht für die Fifty Fathoms.

Sind Squale-Uhren für professionelles Tauchen geeignet?

Die Modelle sind auf 300 bis 1.200 Meter ausgelegt, und die italienische Marine sowie die Tauchereinheit der italienischen Staatspolizei setzen sie ein.

Sind Squale-Uhren sammelwürdig?

Die limitierten Auflagen und die historischen Modelle werden gesammelt. Belastbare Zahlen zum Gebrauchtmarkt gibt es öffentlich nicht, und ich nenne hier keine, die ich mir zusammenreime.

Wem gehört Squale?

Seit 1982 der italienischen Familie Maggi, die davor der italienische Vertriebshändler der Marke war. Charles Von Büren verkaufte die Marke beim Eintritt in den Ruhestand.

Automatik oder Quarz?

Die aktuellen Modelle sind Automatikuhren.


Quellen und meine Squale-Tests

Alles, was in diesem Artikel als belegt gekennzeichnet ist, stammt von den Seiten des Herstellers: Unternehmensgeschichte und Zeitstrahl, Philosophie, Kooperationen, Garantiebedingungen und Impressum. Abgerufen im September 2026.

Für die Abnehmerliste habe ich zusätzlich die englischsprachige Wikipedia, mehrere internationale Uhrenmagazine, Händler-FAQ und Sammlerforen ausgewertet. Die Belegqualität ist im Kapitel über die Zulieferjahre beschrieben. Ich führe diese Quellen bewusst nicht als Nachweis auf, weil sie keiner sind.

Meine Squale-Tests und Vorstellungen

Stand: September 2026. Dieser Artikel wird fortgeschrieben. Was ich nachtrage, bekommt ein Datum.

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