Pequignet: Frankreichs erstes eigenes Uhrwerk
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Frankreich hat die Uhrmacherei mitgeprägt, verloren und fast vergessen. In Morteau, fünf Kilometer vor der Schweizer Grenze, sitzt das Haus, das dem Land 2011 sein erstes komplettes Uhrwerk seit Jahrzehnten zurückgebracht hat. Fünf Manufakturkaliber, rund 25 Mitarbeiter, der Élysée-Palast als Kunde – und eine Geschichte, in der vier Angestellte vor dem Handelsgericht ihre eigene Firma zurückkauften. Das hier ist alles, was du über Pequignet wissen musst.
Warum diese Marke eine Ausnahme ist
Schau dir dieses Zifferblatt an. Das Großdatum unter der Zwölf, die Gangreserveanzeige, die kleine Sekunde – und unten die Mondphase in zwei Fenstern, eines für die Nordhalbkugel, eines für die Südhalbkugel. Sie weicht erst nach 122 Jahren um einen einzigen Tag ab.
Damit du einordnen kannst, was das heißt: Eine gewöhnliche Mondphase, wie sie in den allermeisten Uhren steckt, liegt schon nach knapp drei Jahren einen Tag daneben. 122 Jahre sind also nicht „normal“ – normal sind drei.

Das ist das Calibre Royal. Als es 2011 auf den Markt kam, war es das erste komplette Manufakturwerk, das Frankreich seit dem Ende von LIP hervorgebracht hatte. Wer heute in Frankreich eine mechanische Uhr kauft, kauft in aller Regel immer noch ein Schweizer Werk in einem französischen Gehäuse. Pequignet ist die Ausnahme – und zwar inzwischen fünffach.
Was mich an dieser Marke fasziniert, ist nicht nur die Technik. Es ist die Geschichte dahinter. Sie beginnt in einer Wohnung, führt über ein Rennpferd und einen Zenith-Manager bis vor ein Handelsgericht in Besançon – und endet vorerst im Élysée-Palast und am Handgelenk des japanischen Kaisers. Ich nehme dich mit.
1973: Ein Autodidakt gründet in seiner Wohnung
Émile Péquignet, Jahrgang 1940, war kein klassisch ausgebildeter Uhrmacher. Er war Autodidakt. Mit sechzehn ging er in die Uhrenindustrie des Haut-Doubs, zuerst zu Soborem, ab 1964 zu Cupillard-Rième. Siebzehn Jahre lernte er das Geschäft von innen – und machte sich dann selbstständig.
Im Januar 1973 meldete er die Sarl Montres Péquignet an. Firmensitz: seine eigene Wohnung, 1 rue de la Gare in Morteau. Er war 33 Jahre alt. Am Ende des ersten Jahres hatte er drei Mitarbeiter und rund 7.000 Uhren verkauft. Die Werke kamen damals aus der Schweiz, die Gestaltung aus Morteau.
Man muss sich klarmachen, wann das passierte: 1973, mitten in der Quarzkrise. Während in der Schweiz reihenweise Fabriken dichtmachten, baute ein Franzose eine Uhrenmarke auf. Er kämpfte nicht gegen die Quarzwelle, er nutzte sie. 1979, sechs Jahre nach der Gründung, verließen 40.000 Uhren im Jahr das Haus, etwa die Hälfte davon Quarz. Aus drei Mitarbeitern waren zwanzig geworden.

Im Mai 1978 weihte er seine eigene Fabrik ein, 1 rue du Bief, entworfen vom Besançoner Architekten Pierre Bourgeois. Stahlbeton mit sichtbarem Brettschichtholz-Tragwerk. In diesem Gebäude sitzt Pequignet bis heute – fast fünfzig Jahre später wird dort das Calibre Royal montiert.
Und Péquignet dachte weiter. 1980 und 1981 gründete er in schneller Folge eigene Zulieferbetriebe: eine Gehäusefertigung, dazu Brademont für Metallarmbänder und Cofima für die Etuis. Die Idee, möglichst viel selbst zu machen, steckt also seit über vierzig Jahren in dieser Marke.
Das Pferd, das der Marke ihr Gesicht gab
Émile Péquignet war leidenschaftlicher Springreiter und Pferdezüchter. 1980 brachte er die Linie Equitation heraus, mit Pferdeköpfen auf dem Zifferblatt. Vier Jahre später folgte das Modell, das die Marke in Frankreich berühmt machte – und es trug den Namen seines Turnierpferdes: Moorea.

Die Moorea von 1984 hatte ein integriertes Gliederband, die sogenannte Maille Moorea, Gold und Stahl, dazu ein Wechselbandsystem, das damals ungewöhnlich war. Dieses Band ist bis heute das optische Erkennungsmerkmal der Marke. In Frankreich ist die Moorea ein Generationenstück – eine Uhr, die Mütter an Töchter weitergeben.
Fünf Cadrans d’Or, die „Goldenen Zifferblätter“, sammelte das Haus in dieser Zeit für die Schönheit seiner Damenkollektionen ein. 1988 arbeiteten vierzig Menschen in Morteau, 2003 waren es 47 bei knapp zehn Millionen Euro Umsatz. Eine gesunde, gut geführte französische Uhrenfirma – aber eine, die ihre Werke einkaufte.
„Wir verkaufen keine Uhrwerke, wir verkaufen Uhren“
Dieser Satz hat alles verändert. Gesagt wurde er bei Zenith, gehört hat ihn Didier Leibundgut.
Leibundgut ist in Morteau aufgewachsen, in einer Uhrmacherfamilie – sein Großvater hatte dort eine Fabrik. 1994 wurde er Direktor von Zenith France, später internationaler Marketingdirektor der Marke. Er wollte, dass Zenith seine legendären Werke stärker als eigenständiges Produkt vermarktet. Die Antwort aus der Konzernzentrale: Wir verkaufen keine Uhrwerke, wir verkaufen Uhren.
Er ging. Und kaufte im Juli 2004 die Uhrenfabrik seiner Heimatstadt. Émile Péquignet, damals 64, zog sich nach über dreißig Jahren zurück.

Leibundguts Ziel war von Anfang an unmissverständlich: Frankreich sollte wieder ein eigenes Uhrwerk bekommen. Das letzte war mit dem Ende von LIP verschwunden. Er richtete in Morteau ein eigenes Labor für Haute Horlogerie ein und holte zwei Ingenieure dazu, die vorher bei CompliTime gearbeitet hatten – dem Komplikationsspezialisten hinter Greubel Forsey: Ludovic Perez übernahm das Labor, Huy Van Tran Forschung und Entwicklung.
2011: Das Calibre Royal
Was dann entstand, ist keine Variation eines bekannten Werks, sondern eine eigene Architektur. 279 Industriezeichnungen, über 20.000 Maße, rund 150 Sonderwerkzeuge, allein 120 Stanzwerkzeuge für die Räder. Im März 2010 wurde das Werk in Basel erstmals gezeigt, 2011 kam es auf den Markt.

Der entscheidende Gedanke: Alle Komplikationen sitzen auf derselben Platine, nicht als Modul obendrauf. Das ist schwieriger zu konstruieren, macht das Werk aber flacher, mechanisch sauberer und im Service ehrlicher. Genau das unterscheidet ein Manufakturwerk von einem aufgehübschten Standardkaliber.
Noch im selben Jahr wählte das niederländische Magazin 0024 die Rue Royale zur „Montre de l’Année 2011″ in der Klasse von 3.000 bis 10.000 Euro – vor Finalisten von Chopard, Eberhard, Panerai und TAG Heuer. Das erste französische Manufakturwerk seit Jahrzehnten hatte auf Anhieb geliefert.
Die Jahre danach waren hart. Ein neues Werk in Serie zu bringen, kostet mehr Geld und mehr Nerven, als jede Planung vorsieht. Pequignet geriet in schweres Fahrwasser, wechselte den Besitzer, und Ende 2016 ordnete das Handelsgericht Besançon die Liquidation an. 42 Arbeitsplätze standen auf dem Spiel. Das Gericht gab drei Monate Zeit, einen Käufer zu finden.
27. Februar 2017: Vier Angestellte kaufen ihre eigene Manufaktur
Bis zum 8. Februar 2017 lagen zwei Angebote auf dem Tisch. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein.
Angebot eins kam von Montres Ambre, ebenfalls aus Morteau. Ambre wollte zwölf Stellen erhalten und die Marke Moorea übernehmen. Das Calibre Royal war in diesem Angebot nicht enthalten; es wäre separat verwertet worden.
Angebot zwei kam von vier eigenen Mitarbeitern: drei Kaufleuten und einem Ingenieur, zusammen Jahrzehnte im Haus. Sie boten eine Gesamtübernahme – Manufaktur, Marke, sämtliche Patente, das Gebäude in der rue du Bief und das Calibre Royal. Sechzehn Arbeitsplätze. Praktisch die gesamte Belegschaft stand hinter ihnen.
Am 27. Februar 2017 entschied das Handelsgericht Besançon für die eigenen Leute. Dani Royer wurde Präsident der neuen Pequignet Horlogerie SAS, dazu Aymeric Vernhol, Bernard Espinas und Antoine Commissione. In der französischen Presse heißen sie seitdem „die vier Musketiere“.
Ihr Satz nach dem Urteil war kurz: „Wir sind glücklich und geehrt, die Maison Péquignet übernehmen zu können.“ Und Aymeric Vernhol hat später auf den Punkt gebracht, worum es ging: „Wir sind das einzige in Frankreich gefertigte Kaliber, und wir sind unabhängig.“
Ich kenne in der Uhrenwelt keine zweite Geschichte, die so ausgeht. Vier Angestellte, die vor Gericht ihre eigene Firma überbieten – und damit das damals einzige Uhrwerk eines ganzen Landes retten.
Der Mann, der Fälschungen unmöglich macht
Die vier bauten die Marke wieder auf. 2021 wuchs der Umsatz um fünfzig Prozent, das Haus schrieb schwarze Zahlen – und bekam einen neuen Mehrheitseigner.
Seit Dezember 2021 hält die Familienholding ENOWE 80 Prozent. Dahinter steht Hugues Souparis, ein Pariser Unternehmer, der ab 1984 Hologram.Industries aufbaute, später Surys – Weltmarktführer für Hochsicherheits-Authentifizierung. Hologramme auf Ausweisen, Banknoten und Markenprodukten. 2019 verkaufte er das Unternehmen an die IN Groupe, die frühere französische Staatsdruckerei.
Der schönste Nebeneffekt: Seine Technik ist ins Produkt gewandert. Jede Pequignet trägt heute eine holografische Kennzeichnung, die als fälschungssicherer „Pass“ für die Echtheitsprüfung dient.
Souparis‘ Auftrag an das Haus war von Anfang an sportlich: rauf ins Hochpreissegment, so viele Bauteile wie möglich zurück nach Frankreich holen und 70 Prozent des Umsatzes mit Manufakturwerken machen. Seit 2024 führt Patric Zingg die Geschäfte, vorher Swatch Group, Graham und SIGG. Heute arbeiten rund 25 Menschen in Morteau, dazu kommen zwei eigene Boutiquen in Paris und Besançon.
Die fünf Kaliber im Einzelnen
Jetzt zum Kern der Sache. Fünf eigene Werke hat Pequignet bis heute konstruiert, das erste 2011. Hier sind sie, eines nach dem anderen.
Calibre Royal (EPM01) – das Herzstück

31 Millimeter Durchmesser, 5,88 Millimeter Bauhöhe, 318 Bauteile, davon 316 eigens konstruiert, 39 Rubine, 3 Hertz. Aus einem einzigen, übergroßen Federhaus holt das Werk seit der Überarbeitung 2025 96 Stunden Gangreserve – vorher waren es 88.
Auf dem Zifferblatt: Großdatum und Wochentag unter der Zwölf, kleine Sekunde bei 4 Uhr, Gangreserveanzeige bei 8 Uhr, die Doppelmondphase bei 6 Uhr. Das Großdatum arbeitet mit drei Scheiben auf einer Achse, Zehner und Einer sitzen auf gleicher Höhe – kein versetztes Fenster, kein Stufenlook. Es springt in 0,02 Sekunden um.
Und jetzt der Punkt, der im Alltag den größten Unterschied macht: Es gibt keine „rote Zone“. Du kannst Datum, Wochentag und Mondphase zu jeder Tageszeit verstellen, ohne etwas zu beschädigen.
Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber Gold wert. Bei den meisten Kalenderuhren musst du die Zeiger erst aus dem Schaltbereich drehen, grob zwischen 21 und 3 Uhr, sonst greifst du in die laufende Datumsschaltung und reißt dir im schlimmsten Fall etwas ab. Bei einer Uhr mit Großdatum, Wochentag und Doppelmondphase, die ein halbes Jahr gelegen hat und komplett neu gestellt werden muss, ist das der Unterschied zwischen entspannt und nervös. Für mich wäre das allein schon ein Kaufargument.
Technisch am interessantesten ist das patentierte Federhaus. Die Trommel ist getrennt vom Federkern im Werk gelagert und gibt ihre Kraft über die Zentralachse ab, zwischen zwei Rubinen geführt. Weniger Reibung, mehr Platz für einen großen Durchmesser – und darüber eine ganze Bauebene frei für die Komplikationen. Die Idee stammt aus amerikanischen Eisenbahn-Taschenuhren des 19. Jahrhunderts.
Dazu kommen acht internationale Patente: vier allein für das Großdatum, eins für das Federhaus, eins für den Wechsler des Automatikaufzugs, eins für ein Differenzial, das die Gangreserve misst, und eins für die Mondphase. Die Unruh ist mit 9,5 Millimetern ungewöhnlich groß, viertarmig, diamantiert, mit Goldschrauben zur Feinregulierung statt Rücker – und sie läuft unter einer durchgehenden Unruhbrücke, also beidseitig gelagert. Das sieht man in dieser Preisklasse praktisch nie.
Die 318 Bauteile werden auf zwei Mikrometer genau gefertigt. Zwei Tausendstel Millimeter.
Calibre Royal Manuelle (EPM02) – hundert Stunden

Aus dem Calibre Royal entstand 2017 eine Handaufzugsversion. Ohne Rotor schrumpft die Bauhöhe auf 5,43 Millimeter, das Federhaus durfte dafür noch größer werden: 100 Stunden Gangreserve. 31 Millimeter, 21 Rubine, 3 Hertz, kleine Sekunde bei 6 Uhr, ganz nach klassischer Schule.
Für mich ist das das ehrlichste Werk im Programm. Eine flache, ruhige Dress Watch, die du am Sonntagabend aufziehst und die am Freitag noch läuft. Die Royale Paris Manuelle mit diesem Kaliber kostet 3.900 Euro – das ist für eine Uhr mit komplettem Manufakturwerk ein Kurs, den es sonst nirgends gibt.
Calibre Initial (EPM03) – das Werk, das auch andere kaufen

2021 kam das dritte Werk, und es ist das moderne Gegenstück zum Royal: 28,2 Millimeter Durchmesser, nur 4,2 Millimeter flach, 180 Bauteile, 21 Rubine, 4 Hertz statt 3, 65 Stunden Gangreserve, Zentralsekunde mit Sekundenstopp.
Zwei internationale Patente stecken darin: eins für den Aufzugsmechanismus mit einer ungewöhnlichen Verzahnung, die den Verschleiß senkt, eins für die halbsprunghafte Datumsschaltung. Letztere erlaubt es, das Datum in jeder Zeigerstellung zu verstellen – wieder keine Sperrzone.
Reguliert wird das Initial in sechs Lagen mit einer Toleranz von −4 bis +6 Sekunden am Tag. In der Praxis liegt es laut Manufaktur häufig bei etwa plus/minus zwei Sekunden. 72 Prozent der Bauteile sind französischen Ursprungs.
Und hier wird es für dich als Uhrenfan besonders interessant: Das Initial ist das einzige Pequignet-Werk, das auch andere Marken bekommen. Die Kapazität liegt bei bis zu 5.000 Werken im Jahr, davon rund 1.500 für Dritte. Einer dieser Kunden ist Ralf Tech – in der Académie Automatic Manufacture arbeitet ein Pequignet-Werk unter dem Namen RTM001.
Mein Test der Ralf Tech Académie Automatic Manufacture First Edition
Calibre Royal Tourbillon (EPM04) – 157 Teile im Titankäfig

2024, auf der Watches and Wonders, zeigte Pequignet sein erstes fliegendes Tourbillon – und zwar keines von der Stange, sondern eines auf Basis der Calibre-Royal-Architektur. 34,5 Millimeter Durchmesser, 6,11 Millimeter hoch, 23 Rubine, Handaufzug, mindestens 88 Stunden Gangreserve aus dem großen Federhaus.
Allein der Käfig besteht aus 157 Teilen und ist aus Titan gefräst – ein Material, das bei so kleinen Bauteilen ausgesprochen zickig ist. Die Unruh sitzt konzentrisch im Käfig, trägt massive Goldschrauben und bringt ein Trägheitsmoment von 12 mg/cm² auf. Anglage, Côtes de Genève, Perlage, Cerclage, Sablage, Étirage – hier wird von Hand dekoriert.

Die dazugehörige Royale Tourbillon: 44 Millimeter, 18 Karat Roségold 5N, blaues Zifferblatt mit Tropfenstruktur, 24 Exemplare, 65.000 Euro. Das ist die Spitze dessen, was Frankreich derzeit baut.
Calibre Initial Chronograph (EPM05) – das jüngste Werk

2026 kam der erste Chronograph der Markengeschichte – nach 53 Jahren. Die Basis ist das flache Calibre Initial, für die Chronographenfunktion hat sich Pequignet einen Schweizer Spezialisten für hochwertige Komplikationen an die Seite geholt. Die Grenze ist fünf Kilometer entfernt; man arbeitet mit den Nachbarn.

Optisch ist das Werk bewusst anders gehalten als die Royal-Familie: matter, urbaner. Unruhbrücke und Platine sind ausgehöhlt, kombiniert werden Körnung, Satinage und Perlage, die Kanten sind diamantpoliert. Der skelettierte Rotor zeigt eine erhabene Fleur-de-Lys. Reguliert wird in sechs Lagen.

Achtzig Kilometer
Es gibt eine Regel, die Pequignet für jedes seiner Werke einhält: Jedes Bauteil kommt aus einem Umkreis von achtzig Kilometern um Morteau. Rund siebzig Zulieferer sind es, und sie sitzen alle im französisch-schweizerischen Jurabogen.

Beim Calibre Royal liegt der französische Anteil inzwischen bei über 75 Prozent, beim Calibre Initial bei 72. Den Rest liefert die Schweiz – bei der Spirale zum Beispiel führt an Nivarox kein Weg vorbei, und deren Werke in Le Locle und Saint-Imier liegen zufällig genau innerhalb dieser achtzig Kilometer. Auch die Lederbänder und das Moorea-Gliederband entstehen in Frankreich.

Dafür trägt Pequignet seit 2014 das staatliche Label Entreprise du Patrimoine Vivant, das lebendiges französisches Handwerk auszeichnet. 2019 und 2025 wurde es verlängert.
Und noch etwas, das mir gefällt: Jedes Modell und jedes Bauteil der Markengeschichte ist archiviert. Das heißt, auch eine Moorea von 1986 lässt sich heute noch instand setzen.
Der Viperkopf von Besançon
Chronometerzertifikate kennt jeder aus der Schweiz. Dass Frankreich seit 1897 ein eigenes hat, wissen die wenigsten: das Poinçon Vipère, den Viperkopf des Observatoriums von Besançon.

Der entscheidende Unterschied zur COSC: In Besançon wird nicht das nackte Werk geprüft, sondern die komplett fertig montierte Uhr – mit Gehäuse, Zifferblatt und Zeigern. Das Gewicht der Zeiger und die Wärmeausdehnung des Gehäuses fließen also mit ein. Das ist deutlich härter. Geprüft wird über rund zwei Wochen in fünf Lagen und bei drei Temperaturen, nach sieben Kriterien, mit derselben Toleranz von −4 bis +6 Sekunden pro Tag.
2025 legte Pequignet die erste Attitude mit Viperkopf auf, 50 Stück. Für eine Marke, die dreißig Kilometer vom Observatorium entfernt produziert, ist das mehr als ein Marketingstempel – das ist Heimspiel.
Die Kollektionen
Alle folgenden Preise sind Listenpreise der Manufaktur, Stand September 2026.
Royale Paris – die Signatur
Die Kollektion ist nach dem Werk benannt, nicht umgekehrt. Sie wurde geschaffen, um das Calibre Royal zu zeigen. Erkennungsmerkmale: die konkave Kehlung an den Gehäuseflanken, die angesetzten Hörner, oben satiniert und seitlich poliert, und die Fleur-de-Lys auf der Krone.
- Royale Paris 36 mm – neu 2026, mit dem Calibre Initial, nur 8,95 mm hoch. Grün, Bordeaux, Königsblau, Opalin und das großartige Bleu Glacier mit Sonnenschliff. Ab 3.500 Euro, mit Diamantlünette 4.900 Euro, in Roségold 14.900 Euro.
- Royale Paris 39,5 mm – das Kernmodell mit dem Calibre Royal. Mit Gangreserve und kleiner Sekunde ab 5.300 Euro, mit Großdatum und Mondphase 8.000 bis 8.500 Euro. Die Handaufzugsversion kostet 3.900 Euro, die Goldmodelle 27.500 Euro.
- Royale Paris Chrono 39,5 mm – die große Neuheit 2026. Bicompax, kleine Sekunde bei 3, 30-Minuten-Zähler bei 9, Tachymeterskala. Zähler in Blau, Rot oder Schwarz, 6.450 Euro am Band, 6.950 Euro am Stahlband.
- Royale Paris 41 mm und Royale Origine 42 mm – die klassischen Größen, 4.800 bis 8.000 Euro, dazu Sondermodelle wie die Royale Paris Aventurine in 30 Exemplaren.
- Royale GMT 42 mm – zweite Zeitzone, Tag/Nacht-Anzeige, 10 ATM, 8.800 Euro.
- Royale Saphir – durchscheinende Saphirzifferblätter in Rubinrot, Topasblau, Jadegrün, Bernstein und Lapis. 10.800 Euro, als limitierte Edition 13.500 Euro.
- Royale Titane und Grand Sport 44 mm – die sportliche Auslegung, teils mit schwarzem DLC, 5.800 bis 8.100 Euro.
- Royale Tourbillon – 24 Stück, Roségold, 65.000 Euro.

Attitude – die schlichte mit dem Initial

Attitude ist die Linie, für die das Calibre Initial entworfen wurde: 39 oder 34 Millimeter, nur rund 9 Millimeter hoch, römische Indexe, gebläute gerundete Stahlzeiger, Großdatum bei 3 Uhr. Von außen eine ruhige, fast zurückhaltende Uhr – und genau darin liegt der Reiz, denn darunter arbeitet ein komplettes Manufakturwerk. Ab 2.800 Euro in 34 Millimetern, ab 3.000 Euro in 39.
Genau hier passieren auch die schönsten Sondereditionen:
- Attitude Poinçon Vipère – 50 Stück mit dem Chronometerzertifikat aus Besançon, 3.500 Euro.
- Attitude Globe Sauter – gemeinsam mit dem letzten französischen Globenbauer. Jedes Zifferblatt ist von Hand auf Baumwollpapier aquarelliert, Längengrade statt Indexe, ein orangefarbener Kompasspfeil bei 12 Uhr. Vier Motive, je 24 Stück, 3.900 Euro.
- Attitude Œil de Tigre – Zifferblatt aus Tigerauge, 50 Stück in Stahl, fünf in Roségold.
- Attitude Or – 18 Karat Roségold, Elfenbeinzifferblatt, die Editionsnummer von Hand aufgemalt. 100 Stück, 10.000 Euro.
Concorde – der Obelisk am Handgelenk
Benannt nach der Place de la Concorde in Paris, vorgestellt 2023 zum fünfzigsten Geburtstag der Marke. Das integrierte Stahlband besteht aus speerspitzenförmigen Gliedern – eine Anspielung auf den Obelisken von Luxor, der auf dem Platz steht. Kissenförmiges Gehäuse, 30, 36 oder 40 Millimeter, 10 ATM.

Das Highlight ist die Concorde Damas, entstanden mit dem Sternekoch Matthias Marc, der aus derselben Region stammt. Lünette und Zifferblatt sind aus echtem Damaszenerstahl, jede Maserung ein Unikat. Dazu goldfarbene Indexe, blaue Super-LumiNova, Calibre Initial. Geliefert wird sie mit einem zweiten Kautschukband, einem Taschenmesser mit Damaszener-Klinge und einem Lederetui von Maison Boinet, gestaltet wie eine Kochmesserrolle. Auf dem Boden steht Marcs Signatur und sein Satz: „L’équilibre se construit, l’harmonie se vit“ – Balance wird gebaut, Harmonie wird gelebt. 50 Stück, 4.900 Euro.
Die Serienmodelle liegen bei 3.650 bis 4.150 Euro, die Titanversion bei 4.800 Euro, die Quarzmodelle in 30 Millimetern ab 1.300 Euro.
Moorea – das Erbe
2024 wurde die Moorea vierzig, und Pequignet hat sie zurückgeholt: die charakteristischen „Ohren“ an den Bandanstößen des Originals, das Datumsfenster wieder auf 6 Uhr, das ikonische Gliederband unverändert. Die 25-Millimeter-Version mit Schweizer Quarzwerk kostet 1.450 Euro, die 38,5-Millimeter-Automatik mit Calibre Initial 3.900 Euro.
Dazu kommt Moorea Vintage: sechs historische Modelle, neu aufgelegt in Stückzahlen zwischen drei und zwanzig, auf Bestellung gefertigt. Wer in Frankreich mit einer Moorea aufgewachsen ist, versteht, warum das ein Thema ist.
Extrême 300 und Equus

Die Extrême 300 ist Pequignets Taucheruhr: 43 Millimeter, 300 Meter wasserdicht, einseitig drehbare Lünette mit Kautschuküberzug, mehrlagiges Zifferblatt – und darin das Calibre Royal. Eine Manufaktur-Taucheruhr für 5.600 Euro ist eine Ansage.
Equus schließlich ist die Erinnerung an den Gründer und seine Pferde – die Einstiegslinie, ab 850 Euro.
Die Uhr des Präsidenten
Im Juli 2021 wurde Pequignet als repräsentatives Unternehmen des Départements Doubs zur „Grande Exposition du Fabriqué en France“ in den Élysée-Palast eingeladen. Dort stellte das Haus die Attitude und das Calibre Initial vor. Zwei Jahre später kam der Auftrag.

Seit dem 26. Oktober 2023 ist Pequignet offizieller Uhrenpartner des Élysée. Die erste Attitude Élysée – 39 Millimeter, opalweißes Zifferblatt mit dem Siegel der Republik, gebläute Zeiger, RF-Monogramm auf Krone und Rotor, rote Naht am blauen Lederband – erschien in 300 nummerierten Exemplaren. Ein Teil des Erlöses fließt in die Restaurierung des Palasts.

2026 folgte die zweite: die Élysée Attitude #2 „Édition Liberté“. Tiefblaues Zifferblatt mit Clou-de-Paris-Guilloche, das je nach Lichteinfall von dunkel bis leuchtend changiert, das RF-Monogramm der Republik darauf, polierte Stahlzeiger und ein roter Sekundenzeiger. Blau, Weiß, Rot – ohne dass es je plakativ wird. Das RF sitzt auch auf der Krone, dem Rotor und der Dornschließe. 100 nummerierte Stück, 3.500 Euro, vorbestellbar ab dem 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag.
Im November 2025 vertrat Pequignet im Élysée sogar die gesamte französische Mode- und Luxusbranche. Für ein Haus mit 25 Mitarbeitern ist das eine bemerkenswerte Position.
Wenn andere anklopfen: die Sondereditionen
Die Élysée-Uhren sind nur ein Teil davon. Mir fällt bei dieser Marke auf, wie oft sie gefragt wird, wenn jemand etwas Besonderes will – und wie weit die Spanne dieser Anfragen auseinandergeht. Drei Beispiele.
Attitude Impériale – das Geschenk für den Kaiser von Japan

Anfang April 2026 reiste der französische Staatspräsident zum Staatsbesuch nach Japan. Das offizielle Geschenk Frankreichs an Kaiser Naruhito war eine Pequignet: die Attitude Impériale, ein Einzelstück.
Das Zifferblatt hat der Künstler Philippe Jacquin-Ravot in Miniaturmalerei ausgeführt: zwei ineinander verschlungene Zweige, die Eiche für die Stärke Frankreichs, die Kirschblüte für die Eleganz Japans. Darunter läuft ein zertifiziertes Chronometerwerk. Eine Replik steht in der Pariser Boutique in der 60 Rue de Rennes.
Dass ein Staat für ein solches Geschenk nicht zu einer der großen Schweizer Marken greift, sondern zu einem Betrieb mit 25 Leuten in Morteau, sagt ziemlich viel darüber, wo Pequignet in Frankreich inzwischen steht.
Royale Saphir x Mitsukoshi – 350 Jahre Kaufhaus

2023 feierte das Tokioter Traditionskaufhaus Mitsukoshi seinen 350. Geburtstag. Für die Sonderserie hat Pequignet der Royale Saphir schlicht das Zifferblatt weggenommen: Man schaut direkt auf das Calibre Royal, dessen Platinenoberseite eigens komplett perliert wurde.
Stunde, Datum und Mondphase liest man an Indikatoren ab, die direkt unter dem Glas sitzen. 20 Exemplare in Stahl und Roségold. Für mich eine der schönsten Arten, ein Manufakturwerk zu zeigen – man muss die Uhr nicht umdrehen.
L’Extrême 300 by Stef – 30 Jahre hinter der Ladentheke

Und es geht auch eine ganze Nummer kleiner. Anfang 2023 wollte Stéphane Clouzeau, Juwelier im französischen Pithiviers und langjähriger Pequignet-Fan, sich zu seinem 30. Berufsjubiläum eine eigene Uhr bauen lassen. Morteau hat mitgemacht.
Herausgekommen ist die L’Extrême 300 by Stef: eine Variante der Taucheruhr von 2015, diesmal mit Saphirboden und freiem Blick auf das Calibre Royal, dazu ein intensiv blaues Sonnenschliff-Zifferblatt, eine orange Lünette und ein blaues Cordura-Band mit orangen Nähten. 30 Exemplare, verkauft ausschließlich in seinem eigenen Laden.
Genau das finde ich an diesem Haus stark: Derselbe Betrieb, der ein Staatsgeschenk für einen Kaiser baut, macht auch die Jubiläumsuhr für einen einzelnen Juwelier aus der französischen Provinz. Dazu kommt die schon erwähnte Attitude Globe Sauter, entstanden mit dem letzten französischen Globenbauer aus Besançon. Wer mit einer Idee anklopft, bekommt hier offenbar eine ehrliche Antwort – und manchmal eine eigene Serie.
Was eine Pequignet kostet – und was du dafür bekommst
Die Marke beginnt bei 850 Euro mit der Equus und endet bei 65.000 Euro mit dem Tourbillon. Der eigentliche Kern – alles, worin ein Manufakturwerk arbeitet – liegt zwischen rund 2.800 und 8.800 Euro. (Stand September 2026.)
Ordne das mal ein. In dieser Spanne bekommst du bei praktisch jeder anderen Marke ein zugekauftes Schweizer Standardwerk – ordentlich, bewährt, millionenfach gebaut. Hier bekommst du ein Werk, das es nur bei diesem einen Haus gibt, konstruiert von einem Team, das du an einer Hand abzählen kannst, gebaut aus Teilen, die alle aus einem Umkreis von achtzig Kilometern stammen.
Warum ist das dann so günstig? Weil Pequignet zum falschen Zeitpunkt richtig lag. Als das Calibre Royal 2011 kam, war „Manufakturkaliber“ noch längst nicht das Verkaufsargument, das es heute ist – das Thema interessierte damals kaum jemanden. Entsprechend wurde der Preis angesetzt. Und als in-house später überall zum Werbeversprechen wurde, hat das Haus ihn nicht über Nacht nachgezogen. Dazu ein Marketing, das man bodenständig nennen muss: kein Markenbotschafter, keine Kampagne, kein Hype. Für Leute, die wissen, was sie da vor sich haben, ist genau das der eigentliche Fund.
Dazu kommt die Garantie: fünf Jahre auf alles mit Pequignet-Manufakturwerk, drei Jahre auf die übrigen Modelle. Und ein Kundendienst, der in Morteau sitzt und vor jeder Arbeit einen Kostenvoranschlag schickt.
Mein Fazit: Für wen lohnt sich eine Pequignet?
Für dich, wenn du an einem Punkt angekommen bist, an dem dich die üblichen Verdächtigen langweilen. Wenn dir wichtiger ist, was in der Uhr steckt, als was auf dem Zifferblatt steht. Und wenn du Freude daran hast, eine Uhr erklären zu können – denn erklären musst du sie, den Namen kennt hierzulande kaum jemand.
Genau das ist aber auch die Chance. Eine Uhr mit komplettem eigenem Kaliber, Großdatum, Doppelmondphase und 96 Stunden Gangreserve für rund 8.000 Euro – das gibt es in der Schweiz zu diesem Kurs schlicht nicht. Und am Handgelenk hast du kein Statussymbol, sondern eine Geschichte: die von vier Angestellten, die ihrem Land sein eigenes Uhrwerk gerettet haben.
Ehrlich gehört aber auch dazu: Du kaufst eine Marke, die in Deutschland kaum jemand kennt, mit einem entsprechend kleinen Gebrauchtmarkt. Wer beim Uhrenkauf zuerst auf den Wiederverkaufswert schaut, ist hier falsch. Wer auf Substanz schaut, bekommt in dieser Preisklasse mehr echte Uhrmacherei als bei fast allem anderen, was ich kenne. Ich weiß, wofür ich mich entscheiden würde.
Häufige Fragen zu Pequignet
Wie spricht man Pequignet aus?
Etwa „Pe-kin-jé“, mit stummem t am Ende. Das gn wird wie in „Champagner“ gesprochen.
Ist Pequignet wirklich eine Manufaktur?
Ja, und zwar im engen Sinn. Das Haus konstruiert, fertigt, montiert und reguliert seine Werke selbst in Morteau. Fünf eigene Kaliber sind es inzwischen.
Was passiert, wenn die Uhr ein Jahr in der Schublade liegt?
Nichts Schlimmes. Nach 96 Stunden ist die Gangreserve aufgebraucht, dann bleibt die Uhr stehen – Zeiger, Datum, Wochentag und Mondphase frieren dort ein, wo sie gerade stehen. Die 122 Jahre der Mondphase gelten für die Laufzeit, nicht für den Kalender. Du ziehst die Uhr wieder auf, stellst alles neu, und ab da stimmt die Genauigkeit wie vorher. Weil es keine Sperrzone gibt, geht das zu jeder Tageszeit, ohne Risiko fürs Werk. Der Serviceintervall läuft ohnehin nach Zeit und nicht nach Laufleistung – ein Jahr Stillstand schadet dem Werk nicht. Wer mag, zieht die Uhr alle paar Wochen kurz auf; nötig ist es nicht.
Gibt es auch Quarzuhren von Pequignet?
Ja. Die Concorde in 30 Millimetern, die Moorea in 25 Millimetern und Teile der Equus-Linie laufen mit Quarz. Alles andere ist mechanisch.
Wie genau ist das Calibre Royal?
Pequignet nennt für seine Werke die Toleranz −4 bis +6 Sekunden pro Tag, in der Praxis liegen sie häufig bei etwa plus/minus zwei Sekunden. Das Calibre Initial wird in sechs Lagen reguliert.
Wie lange läuft die Mondphase, bis man sie korrigieren muss?
122 Jahre. Dann weicht sie um genau einen Tag ab. Eine gewöhnliche Mondphase liegt schon nach knapp drei Jahren einen Tag daneben – der Unterschied ist also nicht klein, sondern Faktor vierzig.
Welche anderen Marken verbauen Pequignet-Werke?
Nur das Calibre Initial wird an Dritte abgegeben, unter anderem an Ralf Tech, Pierre Lannier und Apose. Das Calibre Royal bleibt der eigenen Marke vorbehalten.
Wie viel Garantie gibt Pequignet?
Fünf Jahre auf alle Uhren mit Pequignet-Manufakturwerk, drei Jahre auf die übrigen Modelle.
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Technische Daten
NamePequignet Manufaktur Morteau
MarkePequignet
Preis abab 850,- Euro
Garantie3 bis 5 Jahre
UhrentypAutomatik
Uhrwerk NameCalibre Royal / Calibre Initial
Ganggenauigkeit65 bis 100 Stunden
Also available in:
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