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Ich habe mich in den letzten Wochen sehr stark mit den Uhren von Jochen Benzinger beschäftigt. Die nur mithilfe von historischen Techniken hergestellten Sonderanfertigungen gehen mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Jochen Benzinger Subskription.

Nachdem zu Beginn vor allem die „Frosted Barley“ mein täglicher Begleiter am Handgelenk war, glaube ich inzwischen, dass ich nun einen neuen Liebling für mich entdeckt habe, eine Art Geheimtipp, den ich heute gerne mit Euch teilen möchte.

Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue Review

Es mag durchaus vorkommen, dass ich gleich Fachbegriffe wie „Guillochieren“ in den Mund nehme, bei denen der ein oder andere von Euch verständlicherweise stutzen wird. Solltet Ihr Jochen Benzinger und seine Manufaktur noch nicht kennen, kann ich Euch meine erste Review über die „Frosted Barley“ und das Interview mit Jochen Benzinger nur wärmstens ans Herz legen, denn da werden die außergewöhnlichen Maschinen und Techniken zur Herstellung der Uhren genauer erklärt. 

Wie blaue Uhren mich immer wieder positiv überraschen – der erste Eindruck

In der Vergangenheit musste ich mir immer wieder eingestehen, wie sehr mir Uhren mit einem blauen Zifferblatt doch gefallen. Eigentlich bin ich ja eher ein Freund von etwas unauffälligeren Farben. Als ich die heutige Uhr, die „Subskription IV Silver Blue“ jedoch zum ersten Mal aus ihrer sehr hochwertigen Verpackung geholt habe, war auch ich hin und weg. Die zweite Benzinger ist nämlich ein echter Blickfänger, sogar noch ein bisschen mehr als die „Frosted Barley“, wie ich finde. Jochen Benzinger Subskription.

Wenn man beide Uhren nebeneinander auf den Tisch legt, erkennt man sofort, dass sie aus der Manufaktur Jochen Benzingers stammen. Auch die „Silver Blue“ scheint irgendwie nicht von dieser Welt zu sein, so einzigartig wie sie aussieht. Ob das Liebe auf den ersten Blick ist? Jedenfalls ein Blick, den ich nicht so wirklich abwenden kann, so viel gibt es zu entdecken. Das zweiteilige Zifferblatt schimmert blau und das kunstvoll guillochierte Strahlenmuster reflektiert das Licht immer wieder anders. So interpretiere ich das Muster manchmal als Strahlen, teilweise aber auch als Wellen, was der Uhr irgendwie etwas Maritimes verleiht. 

Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue

Eine weitere Besonderheit, die sofort auffällt: Stunden- und Minutenzeiger sitzen nicht mittig auf dem Zifferblatt, sondern etwas weiter in Richtung 12 Uhr, weshalb die kleine Sekunde über 6 Uhr etwas größer geraten ist. Der Durchbruch bei der kleinen Sekunde verrät schon in Ansätzen, was sich auf der Rückseite der „Silver Blue“ verbirgt – Benzinger ist eben bekannt für kunstvoll skelettierte Uhrwerke, dazu aber später mehr. Im Gegensatz zur „Frosted Barley“ besitzt die „Silver Blue“ römische Ziffern, natürlich in einem kräftigen Blauton, der das blau schimmernde Strahlenmuster wieder aufgreift. 

Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue Review

Mein erster Eindruck der neuen Benzinger ist recht umfassend und positiv, wie man unschwer erkennen kann. Im Alltag hat dieser sich bestätigt, ebenso wie meine Begeisterung für die blaue Farbgebung, an der man sich nicht sattsehen kann. Es gibt jedoch noch so viele weitere Gründe, diese Uhr zu lieben…

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Das Gehäuse – wie gewohnt auf hohem Niveau

Das Gehäuse gehört natürlich auch dazu, denn eine sehr gute Uhr benötigt auch ein sehr gutes Fundament – und das besitzt die „Silver Blue“ zweifelsohne. Gefertigt wird es aus Edelstahl in der Goldstadt Pforzheim, was für hohe Qualität spricht. Hier werden übrigens auch die Gehäuse für die anderen Benzinger Uhren gefertigt. Der Durchmesser beträgt 42 Millimeter, wobei die „Silver Blue“ recht massiv ist. Dennoch wirkt die Uhr am Handgelenk nie überproportioniert, zu schwer oder zu auffällig. All diese Eigenschaften sind im richtigen Maße zueinander ausbalanciert und geben mir als Träger im Alltag ein sehr gutes Gefühl. Auffällig ist der Kontrast in der Gestaltung zwischen Gehäuse und den restlichen Elementen der Uhr. Während Zifferblatt und Gehäuseboden bis ins kleinste Detail penibel ausgestaltet sind, ist das Gehäuse recht minimalistisch, was den Fokus beim Tragen ganz auf das Zifferblatt lenkt.

Die Lünette ist verschraubt, glatt und poliert. Im Gegensatz zur „Frosted Barley“ ist die Krone der „Silver Blue“ noch etwas verspielter und erinnert an eine Zwiebel oder die Spitze eines Zwiebelkirchturms. Die Krone besitzt eine ausreichende Größe und ist geriffelt, wodurch sie gut bedienbar ist. Da Benzinger für seine Uhren nur Material auf allerhöchstem Niveau verwendet, verwundert es nicht, dass die „Silver Blue“ sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite Saphirglas besitzt, das besonders kratzfest ist und das hochwertige Innenleben schützt. Jochen Benzinger Subskription.

Das Uhrwerk – eine technische Sonderausführung, fein skelettiert

Ein Schutz des Innenlebens ist absolut gerechtfertigt. Denn das ist zwar nicht hundertprozentig Marke Eigenbau, bekommt jedoch durch Benzinger eine ganz besondere Veredelung, wodurch das eben beschriebene versetzte Zifferblatt überhaupt erst realisierbar ist. 

Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue Review

Im Inneren der „Silver Blue“ arbeitet eigentlich ein Schweizer ETA 6498 Handaufzugswerk – ein ohnehin schon sehr gutes und zuverlässiges Standardwerk. Wer die Manufaktur Benzinger jedoch kennt, weiß, dass das für die eigenen Uhren noch nicht ausreicht. Die Uhren sind meistens Sonderanfertigungen und innen wie außen ganz individuell. Warum das so ist, sieht man beim Zifferblatt. Das ETA Standardwerk wurde nämlich zur Subskription umgebaut, woher auch der Name der Uhr rührt. Dadurch sitzen Stunden- und Minutenzeiger nicht in der Mitte des Zifferblattes, sondern wandern weiter nach oben in Richtung 12 Uhr. Dadurch war Benzinger auch in der Lage, der kleinen Sekunde über 6 Uhr mehr Raum zu geben, die jetzt das Hauptzifferblatt schneidet. Die Anordnung des Zifferblattes finde ich außergewöhnlich, für mich ein echter Hingucker. Das ist Genialität, die ich schätze. 

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Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue

Seine volle Pracht entfaltet das Uhrwerk aber auf seiner Rückseite, wo – wie ich finde – erst wirklich deutlich wird, was die Benzinger-Uhren so einzigartig macht. Anstelle eines einfachen Sichtfensters, wie man es von vielen Automatikuhren kennt, ist der Unterboden hier vollverglast und bietet eine uneingeschränkte Sicht auf die einzelnen, kunstvoll gestalteten Elemente des Uhrwerkes. Die sind nämlich sowohl handskelettiert als auch handguillochiert.

Ein Anblick, der einen einfach nicht mehr aus dem Staunen herauskommen lässt und zeigt, wie aufwändig die Fertigung einer einzelnen Uhr ist. Das liegt auch an den verschiedenen „Highlights“ wie zum Beispiel den eigens flammgebläuten Schrauben oder den zwei größeren, handskelettierten Zahnrädern in dunkelblau, die das Design des Zifferblattes wieder aufgreifen. Violette Lagersteine setzen weitere Akzente. Jochen Benzinger Subskription.

Der Gehäuseboden ist mit einem Kreisgewinde verschraubt. In den Rand eingraviert sind die Begriffe „handguillochiert“, „handskelettiert“, „Benzinger“, „Unikate“, „Germany“ und „handgraviert“. Wie konsequent Benzinger die Uhr selbst bis ins kleinste Detail handgefertigt hat, kann man gut an der rhodinierten Grundplatine erkennen, denn selbst die ist handguillochiert.

Auch wenn man im Alltag damit leben muss, den gläsernen Unterboden samt Uhrwerk selten zu Gesicht zu bekommen, wird man mit dem Zifferblatt vertröstet. Bei der kleinen Sekunde ist es durchbrochen und gibt den Blick auf handskelettierte und handguillochierte Zahnräder frei – eine Besonderheit. Oder eben typisch Benzinger.

Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue Review

Mein Favorit – das blaue Zifferblatt

Müsste ich mich jetzt entscheiden, ob ich entweder die „Frosted Barley“ oder die „Silver Blue“ behalten dürfte, würde ich mich wahrscheinlich für die zweite entscheiden. Das liegt am beeindruckenden Zifferblatt, von dem ich schon zu Beginn geschwärmt habe. Jetzt aber noch einmal im Detail.

Im Grunde genommen besteht das Zifferblatt aus einem zweiteiligen Blatt. Für das Unterblatt wurde Sterlingsilber verwendet. Es ist sowohl handguillochiert als auch handskelettiert. Hierbei handelt es sich um ein Strahlenguilloche, das dem ganzen Zifferblatt eine ungeheure Tiefe und Dynamik verleiht und an stilisierte Sonnenstrahlen erinnern soll, was es gerade bei Tageslicht, denke ich, gut trifft. Die Reflexionen rufen einen dreidimensionalen Eindruck mit Tiefe hervor. Silber als Material, beschichtet mit Galvanolack, bringt das Zifferblatt zum Schimmern.

Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue

Der imaginäre Mittelpunkt, auf den die Sonnenstrahlen zulaufen, ist die leicht nach oben versetzte Mitte mit Stunden- und Minutenzeigern. Das Oberblatt ist schwarz PVD-beschichtet. Wie auch die kleine Sekunde ist das Hauptzifferblatt durchbrochen, gibt dabei aber nicht direkt einen Blick auf das Uhrwerk preis. Hier wird das Muster des Strahlenguilloche weitergeführt. Der „Durchbruch“ ist nicht blau lackiert und passt daher sehr gut zum Design der kleinen Sekunde. Blaue römische Ziffern fungieren hier als Markierungen zum Ablesen der Uhrzeit.

Bei allen Zeigern handelt es sich um „Breguet“-Stahlzeiger. Die kleine Sekunde besitzt blaue Punkte statt Ziffern. Der Firmenname sowie die Inschrift „Hergestellt in Deutschland“ finden sich ebenfalls blau auf schwarz auf dem Zifferblatt. Weitere silberne Applikationen runden das Zifferblatt ab. Jochen Benzinger Subskription.

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Zuletzt möchte ich noch einmal auf den Blauton zurückkommen. Blau ist nämlich nicht gleich blau – zumindest nicht bei Benzinger. Der Kunde kann hier mitbestimmen, wie seine Uhr gestaltet werden soll. So kann die Farbe je nach Herstellungsprozess leicht verändert werden und heller sein oder eher ins Violett gehen. 

Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue Review

Ein Lederarmband, dem man seinen Ursprung ansieht

Das Armband aus schwarzem Alligatorleder stammt aus artenschutzrechtlich kontrollierten Beständen und wurde von Hand genäht. Der angenehme Tragekomfort im Alltag ist besonders der Innenseite zu verdanken, die deutlich feiner und weicher ist sowie eine cremige Färbung besitzt. Was ich besonders schön finde: die Nähte sind passend zur restlichen Optik der „Silver Blue“ blau. Das Armband besitzt eine Faltschließe und verschraubte Bandanstöße

Mein Fazit zur „Silver Blue“

Ich hatte es nicht wirklich für möglich gehalten, dass es eine Uhr so schnell schaffen würde, die „Frosted Barley“ als neue Lieblingsuhr abzulösen. Die „Silver Blue“ hat es nun getan. Was will man noch groß zu der perfekten Uhr sagen? Diese Uhr erfüllt alle Wünsche, sieht blendend aus und gibt mir ein Gefühl von Individualität. Makel? Fehlanzeige! Was mir an Benzinger generell gefällt und was diese Manufaktur für mich ausmacht, habe ich im vorangegangenen Review schon beantwortet.

Das Fazit fällt daher kurz aus, denn diese Uhr spricht für sich. Letztendlich geht es doch bei einer Uhr immer darum, welches Gefühl wir damit verbinden. Mir gibt die Benzinger „Subskription IV Silver Blue“ ein Gefühl von Luxus. Und das nicht nur wegen der hochwertigen Materialien oder des Preises von etwa 9400€. Für mich besteht dieser Luxus darin, eine Uhr zu besitzen, die kein Massenprodukt ist. Eine Uhr, die komplett von Hand gefertigt wird und bestes, außergewöhnliches Design mit ansprechender Qualität vereint. So sollte die perfekte Uhr für mich sein. Die Benzinger „Subskription IV Silver Blue“ ist so eine Uhr.

Jochen Benzinger Subskription IV Silver Blue Review

Die wichtigsten Daten auf einen Blick

Zifferblatt: zweiteiliges Blatt aus Sterling Silber handguillochiert und handskelettiert  

Unterblatt: mit blauem Galvanolack beschichtet, Strahlenguilloche  

Oberblatt: schwarz PVD beschichtet mit blauen römischen Ziffern

Grundplatine: rhodiniert,  handguillochiert

Uhrwerk: ETA 6498 Handaufzugswerk, offene kleine Sekunde bei 6 Uhr, hauseigener Umbau zur Subskription (Stunde und Minute wandern Richtung 12 Uhr, dadurch größere kleine Sekunde), handguillochiert, handgraviert, handskelettiert, flammgebläute Schrauben

Zeiger: Breguet-Stahlzeiger

Band: handgenähtes Alligatorlederband mit blauer Naht, Faltschließe, verschraubte Bandanstöße

Gehäuse: Edelstahlgehäuse aus Pforzheimer Produktion, 42 mm Durchmesser, verschraubte glatte Lünette,  Zwiebelkrone, beidseitig Saphirglas. Jochen Benzinger Subskription.

Galerie – Bilder von WATCHDVID

Jochen Benzinger findest Du hier:

http://www.jochenbenzinger.de/

https://www.instagram.com/benzingerwatches/