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Der silberne Bogen schimmert edel unter dem Licht. Das Muster des Zifferblattes ist einer Kornähre nachempfunden und mutet fast schon organisch an, so fein und symmetrisch wie es ist.

Bei der kleinen Sekunde über 6 Uhr offenbart sie dann alles – der Blick auf das handgravierte und handskelettierte Werk ist atemberaubend schön. Das Ineinandergreifen der feinen Zahnräder, faszinierend und fast schon beängstigend perfekt. Ich halte ein wahres Meisterwerk in den Händen und komme kaum mehr aus dem Staunen heraus. Die Uhr ist eine Benzinger, eine „Frosted Barley“, um genauer zu sein. Meine heutige Geschichte handelt von einem außergewöhnlichen Uhrmacher, der mithilfe von nahezu vergessener Handwerkskunst ganz besondere Unikate von Hand herstellt und sich somit einen Namen in der Uhrenbranche gemacht hat. Vor allem aber soll es um die „Frosted Barley“ gehen – ein Review.

Jochen Benzinger Frosted Barley Review
Photo: WATCHDAVID®

Als ich Jochen Benzinger das erste Mal bei der Fertigung einer Uhr über die Schultern schauen durfte, war ich tief beeindruckt. Der erfolgreiche Uhrmacher arbeitet mit historischen Werkzeugen, die ich bis dato noch nie gesehen hatte. Benzinger hat die fast vergessene Handwerkskunst des Guillochierens wiederaufleben lassen, indem er so seine einmaligen Uhren kunstvoll fertigt. Das Guillochieren ist eigentlich eine besondere Form des Gravierens, bei dem sich jedoch das zu bearbeitende Werkstück dreht. Die notwendigen Maschinen werden heute kaum mehr hergestellt, die historischen sind schwer aufzutreiben und die guillochierten Schmuckstücke aus der Mode gekommen. Gerade absolut in Mode und eigentlich zeitlos sind Jochen Benzingers Uhren, so auch die „Frosted Barley“. 

Die Frosted Barley im Detail

Die „Frosted Barley“ besitzt ein Design, das zweifelsohne seinesgleichen sucht. Und obwohl das Zifferblatt fehlerfrei ablesbar ist, wirkt die Uhr irgendwie wie aus der Zeit gefallen, was nicht bedeuten soll, dass die Uhr altmodisch oder antiquiert daherkommt. Sie unterscheidet sich nur so grundlegend von allem, was ich bisher gesehen habe (was man übrigens als Kompliment verstehen sollte). Auch nachdem ich die Uhr nun mehrere Tage getragen und bestimmt schon mehrere Stunden damit verbracht habe, die verschiedenen Details zu bewundern, bin ich fasziniert. So fasziniert, dass ich sie öfters ablege, umdrehe, den skelettierten Gehäuseboden bestaune, sie dann wieder umlege und dabei wie gebannt auf das Kornmuster (Korn, engl. Barley) starre. 

Jochen Benzinger Frosted Barley Review
Photo: WATCHDAVID®

Ein Zifferblatt zum Verlieben

Der erste Eindruck wird meistens von einem Zifferblatt bestimmt, im Falle der „Frosted Barley“ von einem äußerst schönen. Das Kornmuster verdreht einem im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf. Betrachtet man es nämlich länger, scheint es sich tatsächlich irgendwie zu drehen. Das Muster mit der optischen Täuschung wird durch das besondere Verfahren des Guillochierens hervorgerufen, das eine nahezu unendliche Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Hier ist vor allem die Kreativität des Meisters gefragt. Bei der Materialauswahl greift die Benzinger nur auf das Beste zurück. Das Zifferblatt besteht aus Sterling Silber. Der für Benzinger typische „Breguet-Frost“ mutet leicht cremefarben an, zugleich jedoch auch kühl. Das verschafft der „Frosted Barley“ ein sehr hochwertiges und elegantes Design. 

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Ein silberner Bogen, unterbrochen bei 6 Uhr von dem kreisförmigen Durchbruch der kleinen Sekunde, bietet Platz für die Hauptmarkierungen. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um Ziffern, sondern um schwarze Punkte. Sie fügen sich nahtlos in das organische, sehr geometrische Design der Uhr ein und sind sehr dezent. Die Punkte für die Stundenmarkierungen sind leicht größer als die restlichen. Der silberne Bogen selbst ist noch einmal eingefasst von einem anderen Muster, dem sogenannten Breguet-Abschlussfaden, der dem Verlauf des Bogens folgt und diesen so etwas stärker betont. Das Kornmuster außerhalb des Bogens tut es ihm gleich. 

Die beiden filigranen Zeiger stechen aus der Mitte des Zifferblattes hervor, wo das Muster so unglaublich klein ist, dass man nicht mehr auf den Gedanken kommen würde, dass dies die Arbeit einer handbetriebenen, rein mechanischen Maschine und eines Mannes ist. Sie sind leicht konvex geformt und von einem kreisförmigen Loch durchbrochen. Es handelt sich hier um Breguet-Stahlzeiger, die flammgebläut wurden. Bei 12 Uhr finden sich die auf der Oberseite einzigen Buchstaben. Eingraviert in eine Art silberne Plakette steht der Name Benzinger. 

Jochen Benzinger Frosted Barley Review
Photo: WATCHDAVID®

Kommen wir zu dem Teil des Zifferblattes, der es in sich hat und eindrucksvoll das zeigt, wofür Jochen Benzinger noch bekannt ist: das Skelettieren. Ein kreisrunder Durchbruch bei 6 Uhr gibt den Blick auf das Handaufzugswerk mit kleinen Zahnrädern und weiteren Elementen frei. Auch hier ist alles handgraviert, -skelettiert und -guillochiert. Das Kornmuster zieht sich konsequent durch das gesamte Design des Zifferblattes. Darauf sitzt ein Zeiger für die kleine Sekunde. Ein durchgängiger, kleinerer Silberbogen mit Punktmarkierungen rundet den Durchbruch gelungen ab.

Ein kleines Zwischenfazit schon einmal: das Zifferblatt mitsamt seinem ausgefeilten Design und den vielen Details gefällt mir unglaublich gut. Nichts ist dem Zufall überlassen, alles ist handgefertigt und nur für das Modell „Frosted Barley“ entworfen worden. Über die Verarbeitung brauchen wir wohl nicht weiter zu sprechen, denn die ist – wie zu erwarten – wirklich  auf allerhöchstem Niveau.

Ein Uhrwerk zum Staunen

Im Inneren schlägt ein Deutsch-Schweizer Herz. Bei dem Uhrwerk handelt es sich eigentlich um ein Schweizer ETA 6498 Handaufzugswerk – eigentlich, denn nach Jochen Benzingers Veredlung durch die Kunst des Skelettierens bleibt davon nicht mehr viel übrig. 

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Jochen Benzinger Frosted Barley Review
Photo: WATCHDAVID®

Wer die Uhr zum ersten Mal gesehen und den Durchbruch im Zifferblatt mit Blick auf das skelettierte Uhrwerk bestaunt hat, wird den Gehäuseboden lieben. Meistens kennen wir es ja von Skelettuhren so, dass in den Gehäuseboden ein kleines, halbkreisförmiges Sichtfenster eingelassen ist. Bei der Benzinger „Frosted Barley“ sieht das anders aus. Der komplette Gehäuseboden ist verglast und gibt einen atemberaubenden Blick auf das Uhrwerk frei, das in meinem Fall nahezu ganz skelettiert ist. Einzelne Elemente wie Zahnräder sind schwarz und stechen somit etwas heraus.

Die Grundplatine ist schwarz-rhodium beschichtet und handguillochiert. Das guillochierte Kornmuster zieht sich auch hier wieder durch das ganze Design. Verschraubt ist es mit mehreren flammgebläuten Schrauben. Rubinrote Lagersteine runden das gelungene Design ab.

Der Rand gehört zum Edelstahlgehäuse. Eingraviert in Schreibschrift sind hier die Begriffe „handgraviert“, „handguillochiert“, „handskelettiert“, „Benzinger“ und „Unikate“. Sieht man den durchsichtigen Gehäuseboden mit dem skelettierten Uhrwerk, bekommt man ansatzweise eine Vorstellung, wie viele Arbeitsstunden in der Uhr stecken. Auch wenn die „Frosted Barley“ ein in Anführungsstrichen Serienmodell ist, so hat der Kunde doch viele Möglichkeiten, seine Vorstellungen in die Gestaltung der Uhr miteinfließen zu lassen. Beim Uhrwerk kann der Kunde mitbestimmen, ob es floral oder technisch-gradlinig gestaltet sein soll. 

Ein Gehäuse mit Werten

Das Gehäuse besteht aus Edelstahl und wird für alle Benzinger Uhren in Pforzheim gefertigt. Insgesamt ist es gerade im Vergleich zu Zifferblatt und Gehäuseboden recht minimalistisch gehalten und massiv. Der Gehäuseboden ist mit einem Kreisgewinde verschraubt. Der Durchmesser beträgt am Handgelenk 42 Millimeter, was an meinem Handgelenk einiges hermacht und zu einer solchen Uhr auch passt. Die Proportionen sind, wie ich finde, optimal gewählt. 

Jochen Benzinger Frosted Barley Review
Photo: WATCHDAVID®

Bei der Lünette hat der Kunde wieder die Wahl. Meine verschraubte Lünette ist glatt, kann aber auf Wunsch auch gerändelt sein. Die Krone besitzt eine ausreichende Größe und ist auf der Oberseite flach, an den Seiten hingegen geriffelt. 

Benzinger verwendet sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite kratzfestes und robustes Saphirglas. Das Saphirglas kann man stellvertretend für die Materialauswahl auf höchstem Niveau nennen – gespart wurde hier nirgendwo. Auch die Verarbeitung des Gehäuses ist makellos.

Eine gelungene Uhr wird von einem guten Armband abgerundet

Wo ich eben schon die Materialien gelobt habe: darf es vielleicht noch ein Armband aus Alligatorenleder sein? Gerne. Natürlich handgenäht, wie könnte es auch anders sein. Das Armband besitzt eine Faltschließe und verschraubte Bandanstöße. Der Tragekomfort entspricht einer Uhr dieser Klasse. 

Mein Fazit

Die Benzinger „Frosted Barley“ ist eine typische und zugleich ganz besondere Uhr. Wie das? Typisch für eine Benzinger Uhr, da sie all das, was Jochen Benzingers erfolgreiche Manufaktur auszeichnet, abbildet. Sie ist komplett handgefertigt und besteht nur aus den hochwertigsten Materialien. Sie zeigt eindrucksvoll, wie kreativ und kunstvoll man Uhren mit der alten Handwerkskunst des Guillochierens herstellen kann. Sie ist konsequent skelettiert und reizt dieses Designelement fast bis zum geht nicht mehr aus. Und sie bietet die Möglichkeit, für jeden Träger zum Unikat zu werden, da dieser an verschiedenen Stellen seine Vorstellungen und Wünsche miteinbringen kann. 

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Jochen Benzinger Frosted Barley Review
Photo: WATCHDAVID®

Für die meisten von uns ist die „Frosted Barley“ aber eine außergewöhnliche, besondere Uhr. Das fängt eben beim Design an, das ein absolutes Alleinstellungsmerkmal ist. Denn obwohl die Uhren Unikate sind, vereint sie eben dieses typische Benzinger Design, dass ich inzwischen so schätzen und lieben gelernt habe. 

Die Uhrenmanufaktur, die Jochen Benzinger gegründet hat, ist nicht nur wegen des guten Designs oder der hochwertigen Qualität erfolgreich. Ein Grund, der die Marke bekannt und beliebt gemacht hat ist, dass es sich bei den Benzinger Uhren um Manufakturprodukte handelt. Der Trend zu mehr Tradition, alten Werten und historischer Handwerkskunst ist klar erkennbar. Das liegt auch in der schnelllebigen, digitalen Welt begründet. Die Uhren sind mehr als nur Schmuckstücke. Sie transportieren die alten Werte. Sie wollen nicht so recht in die heutige Welt passen, keiner neuen Innovation nachlaufen. Sie schenken der älteren Generation Erinnerungen aus der Vergangenheit und den jüngeren Menschen Sicherheit sowie Zeitlosigkeit. Und Individualität. Die Benzinger Uhren sind kein Massenprodukt. Sie spiegeln das wider, was ihren Träger ausmacht, wie er sich sieht, wie er sein möchte. 

Das ist es, was in uns die Faszination an den Benzinger Uhren auslöst und was uns wie staunende Kinder vor einem Schaufenster mit Spielzeug aussehen lässt. Die Uhr lässt uns eben nicht mehr los. 

Die „Frosted Barley“ ist ab etwa 8200€ erhältlich. Wenn Euer Interesse an Jochen Benzinger, der Geschichte hinter den einzigartigen Uhren und alter Handwerkskunst geweckt ist, solltet Ihr Euch unbedingt unser gemeinsames Interview durchlesen.

Galerie – Bilder von WATCHDVID

Die wichtigsten Daten auf einen Blick

Zifferblatt:

Sterling Silber handguillochiert und handskelettiert (Durchbruch bei der kleinen Sekunde), Breguet-Frost, Kornmuster 

Grundplatine:

Schwarz-Rhodium beschichtet, handguillochiert

Uhrwerk:

ETA 6498 Handaufzugswerk, offene kleine Sekunde bei 6 Uhr, handguillochiert, handgraviert, handskelettiert, flammgebläute Schrauben

Zeiger:

Flammgebläute Breguet-Stahlzeiger

Band:

Handgenähtes Alligatorlederband, Faltschließe, verschraubte Bandanstöße

Gehäuse:

Edelstahlgehäuse aus Pforzheimer Produktion, 42 mm Durchmesser, verschraubte glatte Lünette (auf Wunsch auch gerändelt), flache Krone, beidseitig Saphirglas

Jochen Benzinger you will find here:

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