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Nachfolgend findest Du das Interview mit Circula. Weitere Details, auch zur Circula Heritage Handaufzug findest Du hier.

1. Dein Großvater hat Circula ja in Pforzheim gegründet. Wofür standen die Circula-Uhren damals? 

Original Circula Uhren von den Anfängen aus 1955

Circula hatte 1955 genauso wie Heute das Ziel feine Uhren zu schaffen, hochwertig, präzise und zu fairen Preisen. Dazu kommt noch ein lokaler Aspekt. Damals wie heute kamen viele Teile aus Pforzheim und Umgebung und die Uhren wurden ebenfalls hier gefertigt.

2. Hat Dein Großvater Dich auch mit dem Uhrenfieber angesteckt? Und spielten Uhren in Deinem Leben schon immer eine so große Rolle?

Neugründer Cornelius Huber mit Vater Klaus-Dieter

Das Uhrenfieber habe ich von meinem Vater mitbekommen. Er hatte selbst schon direkt nach der Schule im Uhrenbetrieb meines Großvaters begonnen und bis vor zwei Jahren Huber & Co geführt, insgesamt fast 50 Jahre. Man kann also sagen, der Mann kennt sich aus. Er hatte mich schon als Kind mit zu Lieferanten, z.B. zu Junghans nach Schramberg oder zu Juweliergeschäften in ganz Deutschland mitgenommen. Bei so viel Uhrenthemen den ganzen Tag, konnte ich wohl nicht anders als mich ebenfalls dafür zu begeistern.

3. Kannst Du Dich noch an Deine erste eigene Uhr erinnern? Welche war das und welche Erinnerungen verbindest Du damit?

Circula Taucheruhr aus den 1970ern

Eine meiner ersten Uhren war eine Casio mit Fernbedienung. Ich kann mich noch an eine Englisch Stunde in der Schule erinnern, wo ich mit der Uhr immer wieder den Fernseher im Klassenzimmer, wie von Geisterhand, an- und wieder ausgeschaltet habe, bis der Lehrer ihn letztendlich auf den Flur gestellt hat. Schöne Erinnerung.

4. Irgendwann wurde es ja ruhig um Eure Marke… Woran lag das? 

Produktion in der Uhrmacherwerkstatt in Pforzheim

Meine Familie hatte zusätzlich zu der Uhrenmarke Circula auch immer einen Uhrengroßhandel, Huber & Co, in dem wir große Marken wie Junghans und Casio an Juweliere in ganz Deutschland vertrieben haben. Ich denke es gab mehrere Gründe. In den späten 80ern verschwanden mehr und mehr heimische Zulieferer und es gab nicht die Zeit sich ein neues Netzwerk aufzubauen, zudem gab es mit der Wiedervereinigung in den 90ern viel Wachstumspotential im Großhandel. Daher hat sich der Fokus verschoben, bis ich jetzt seit 2 Jahren wieder voll auf Circula setze.

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5. Und jetzt kommst Du ins Spiel, Cornelius: 2018 hast Du das Erbe Deines Großvaters angetreten und Circula aus der Taufe gehoben. Den familiären Betrieb weiterzuführen, ist ja heute eine echte Seltenheit. Stand das für Dich immer schon fest oder hast Du Dir Deine Karriere erst anders vorgestellt?

Blaue Kisten mit P.U.W. Neuteilen aus den 1970ern

Es stand nicht fest, aber geliebäugelt habe ich schon als Kind damit, v.a. wegen der Begeisterung zu Uhren. Allerdings wurde nie irgendein Druck auf mich ausgeübt und so habe ich zunächst Karriere in einer Unternehmensberatung gemacht, bevor dann die Zeit reif war mich voll auf die Uhren zu konzentrieren. Ausschlaggebend denke ich, war die bevorstehende Geburt unseres ersten Sohnes. Da dachte ich, jetzt oder nie, da ich Angst hatte, mit Kindern nicht mehr dazu zu kommen und mein Traum zu verpassen.

6. Wie bist du das Projekt Circula 2.0 angegangen? Das ist ja schon ein wagemutiger Schritt, quasi bei Null anzufangen. Gab es Startschwierigkeiten bei der Wiederbelebung der Uhrenmanufaktur?

Original P.U.W. Werbung von 1966

Sicher, es ist nicht einfach in einem so kompetitiven Markt wie dem Deutschen oder auch weltweiten Uhrenmarkt Fuß zu fassen. Daher bin ich es in zwei Schritten angegangen: Zuerst die Quarzuhren als quasi Testreihe, um mit wenig Risiko zu schauen wie die Marke und das Design angenommen werden. Nach dem das so erfolgreich gestartet ist, war klar, dass ich schnellstmöglich mechanische Uhren herstellen möchte, allein schon wegen meinem eigenen Faible und der Geschichte von Circula. 

7. Was hat Dein Vater eigentlich zu dem Vorhaben gesagt? Und zieht der im Hintergrund immer noch die Fäden?

Circula Dress Watches von Ende der 1950er Jahre

Mein Vater war zunächst etwas skeptisch. Den guten und sicheren Job aufgeben für die Höhen und Tiefen der Selbstständigkeit…Aber als es dann soweit war, hat er mich immer voll unterstützt. Er kümmert sich viel um die Logistik und fährt die kleinen Teile (meistens mit dem Fahrrad) in Pforzheim zu den verschiedenen Zulieferern, z.B. zum Graveur oder zur Galvanik.

8. Euer Flaggschiff ist ja die Circula Heritage Handaufzug Kollektion, inspiriert von der ersten Circula aus dem Gründungsjahr 1955. Wie kommt man auf die im positiven Sinne wahnsinnige Idee, historische P.U.W. Uhrwerke aus den 70er Jahren darin zu verbauen? War das geplant oder eher glückliche Fügung? Und wo habt Ihr diese Uhrwerke aufgetrieben?

Original P.U.W. Werbung von 1969

Es war zuerst Zufall und dann Intuition dem Gerücht hartnäckig nachzugehen. Als ich dann endlich den Kontakt zu den P.U.W. Werken bekommen habe, war das nur ein logischer Schritt. Ich denke, dass niemand anderes Uhrwerke bieten kann, die alle zu 100% in Deutschland hergestellt sind und das dann auch noch für unter 1000€ – ganz abzusehen davon, dass sich so der Kreis für uns als Pforzheimer Marke einzigartig schließt.

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9. Da haben die Uhrwerke und Circula ja einiges gemeinsam – sie wurden zu neuem Leben erweckt… 

Circula Dress Watches von Beginn der 1960er Jahre

Absolut. Es haben sozusagen zwei Pforzheimer Legenden zueinander gefunden. Man muss eigentlich sagen wieder zueinander gefunden, da in den ersten Circula Uhren von 1955 ebenfalls P.U.W. Werke verbaut waren.

10. Wie geht man denn dabei vor, alte Uhren zu rekonstruieren? Kann man das genau planen oder probiert man da eher viel aus?

Circula Chronograph aus den 1970er Jahren mit Valjoux Werk

Das war eine unglaubliche Arbeit. Zuerst jemanden finden, der die Werke zusammenbauen kann ohne Explosionszeichnung und dann ein Gehäuse dafür zu konstruieren, ohne technische Zeichnung und Maße. Da haben wir viel Zeit gebraucht und viel Geduld. Ich habe jetzt einen Uhrmacher, der bei P.U.W. gelernt hat. Das hilft ungemein. Als das gelöst war und die Teile bei uns angekommen sind, haben wir nächtelang tausende Teile sortiert. Auf der positiven Seite muss man aber hervorheben, dass alle Teile neu sind, das heißt nie als Werk verbaut waren und daher nicht ein Krätzerchen oder Ölfleckchen haben. Sie scheinen blitzeblank und das nach fast 40 Jahren Lagerung.

11. Gibt es eigentlich Unterschiede zu den Originalen aus den 50er Jahren? 

Circula Uhr mit kleiner Sekunde und Gehäuse in Kissenform

Nein, alles ist wie damals, daher nennt man die Uhrwerke auch NOS, New Old Stock. Das ist etwas ungemein seltenes.

12. Charakteristisch für Circula ist ja vor allem das historische Uhrwerk. Was zeichnet Eure Uhrenmanufaktur noch aus? 

Original P.U.W. Werbung von 1971

Wie schon oben genannt, die lokale Verbundenheit zu Pforzheim, mit lokalen Zulieferern. Selbst das Leder für unsere Bänder kommt ausschließlich aus Süddeutschland, teilweise aus Stuttgart. Zudem setzen wir auf eine sehr hohe Qualität der Materialien und auch sorgfältige Kontrolle aller Uhren vor dem Versand. Falls doch mal etwas schief geht, lassen wir Immer bereit eine gute Lösung für den Kunden zu finden.

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13. Was trägst Du eigentlich privat am liebsten? Bleibst Du dem Familienunternehmen treu oder hast Du auch noch andere Marken am Handgelenk?

Circula Dress Watch von den Anfängen aus 1955

Ich trage natürlich v.a. die Circula Heritage Modelle, aber ab und zu darf auch mal mein Junghans Flieger Chronograph Replika mit Valjoux 7760 ans Handgelenk. Ein Geschenk meiner Eltern zum Abitur. Als kleiner Junge war ich unzählige Male in Schramberg bei Junghans und während meine Eltern in Besprechungen waren, bin ich mit dem dortigen Paternoster hoch und runter gefahren. Einmal bin ich im Speicher ausgestiegen und habe auf einem Bild diese Uhr gesehen. Abends hatte ich meinem Vater begeistert davon erzählt. Über 10 Jahre später hat er mir die Uhr geschenkt, inklusive dem Bild vom Junghans-Speicher.

14. Der erste Step beim Aufbau eines erfolgreichen Start-ups ist getan. Noch schwieriger als nach oben zu kommen, ist ja bekanntlich aber, oben zu bleiben. Wie geht es für Dich und Circula in der Zukunft weiter? Was habt Ihr geplant?

Eintragung im Lexikon der Deutschen Unhrenindustrie 1850-1980 durch den Mitarbeiter H. Dolle

Pläne für die Zukunft gibt es reichlich, neue Modelle, neue Ideen. Vor allem ist es mir wichtig etwas Besonderes zu bieten, um sich von der Masse abzuheben und damit Liebhaber zu erreichen. Dafür habe ich ein paar Ideen, die ich in den nächsten Jahren nach und nach angehen werde.

15. Abschließend noch einmal zurück zu Deinem Großvater: der hat ja die erste Uhr aus der limitierten Edition der Heritage. Was sagt der kritische Fachmann? Konntest Du ihn zufriedenstellen?

Circula Chronograph aus den 1970er Jahren mit Valjoux Werk

Mein Vater trägt die Uhr jeden Tag seit Juni und ist denke ich jeden Tag aufs Neue begeistert, dass wir so eine tolle Uhr hinbekommen haben. Sie läuft präzise, sieht gut aus, ist hochwertig und hat eine besondere Geschichte. Was will man mehr?

Galerie

Circula findest Du hier:

Homepage: https://circulawatches.com

Circula Heritage Handaufzug: https://circulawatches.com/heritage-handaufzug-circula/

Circula Heritage Handaufzug: https://www.watchdavid.de/circula-heritage-handaufzug/

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