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Der Hersteller Hanhart hat bei Uhreninteressierten einen großen Namen, im Mainstream ist die Marke hingegen noch nicht angekommen. Hanhart Pioneer TachyTele.

Ein Grund, die deutsch-schweizerische Uhrenmanufaktur heute ins Rampenlicht zu rücken und ihr Uhren-Flaggschiff genauer unter die Lupe zu nehmen. Es lohnt sich. Ich verrate Euch nur so viel: Hanhart spielt mit den großen Namen wie Breitling oder Omega in einer Liga und muss sich vor denen nicht verstecken!

Hanhart Pioneer TachyTele Review
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Eine Reise in die Geschichte einer Traditions-Uhrenmanufaktur… Hanhart Pioneer TachyTele

Die Uhrenmanufaktur Hanhart kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Obwohl sie bereits 1882 im schweizerischen Diessenhofen nahe der Uhrenmetropole Schaffhausen gegründet wurde und zwanzig Jahre später ins deutsche Schwenningen umzog, war die Firma erst seit den späten 1920er Jahren erfolgreich. Grund waren die neu aufkommenden Stoppuhren. Wilhelm Julius, der sportliche Sohn des Firmengründers Johann Hanhart, war Leichtathlet. Zu der Zeit war der Markt an Stoppuhren noch unerschlossen und wurde nur von teuren Schweizer Fabrikaten dominiert. Hanharts erste Stoppuhr war 1924 nur halb so teuer und qualitativ exzellent. Seitdem war die ereignisreiche Historie Hanharts vor allem von Fliegerchronographen geprägt. Diese wurden in erster Linie im zweiten Weltkrieg von der Luftwaffe bestellt und getragen und waren für ihre Robustheit und Genauigkeit bekannt. 

Hanhart Pioneer TachyTele Review
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Hanhart Pioneer TachyTele

Um einen Fliegerchronographen soll es auch heute gehen, denn wir feiern ein 80-jähriges Jubiläum. Wir schreiben das Jahr 1939: es ist das Jahr, in dem Hanhart eine geschichtsträchtige Uhr, einen Fliegerchronographen vorstellt – die PIONEER TachyTele. Schnell wurde sie bei Soldaten, Piloten und der Marine aufgrund ihrer Robustheit und ihrer Präzision geschätzt und getragen. Die technischen Neuerungen, die die TachyTele damals etablierte, setzten weltweit neue Maßstäbe.

80 Jahre später will Hanhart die ruhmreichen Zeiten wiederaufleben lassen und legt sein Meisterstück neu auf. Was es genau mit dem besonderen Namen auf sich hat, welche romantische Erzählung hinter dem roten Drücker steckt und ob es die neue PIONEER TachyTele schafft, in die Fußstapfen des Originals zu treten, will ich heute genauer herausfinden.

Hanhart Pioneer TachyTele Review
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Der erste Eindruck – Hanhart Pioneer TachyTele

Vor mir könnte ein historisches Messinstrument liegen. Ein Fliegerchronograph, den einmal Piloten im zweiten Weltkrieg benutzt haben und der nun auf seine alten Tage im Museum ausgestellt wird. Die charakteristische Bedruckung der Ziffern, der traditionelle Schriftzug der Manufaktur Hanhart oder die verzierten Zeiger…wunderschön. Doch irgendetwas stimmt hier nicht. Denn die Uhr weist keinerlei Gebrauchsspuren auf. Keine Kratzer, kein sich auflösendes Armband und stehengeblieben ist sie auch nicht. Die Wahrheit ist: dieser Fliegerchronograph hat noch keinen Weltkrieg gesehen. Meine neue PIONEER TachyTele ist unglaublich nah am Original von vor 80 Jahren dran, welches sie rezitiert. Das Zifferblatt in der Farbe alt-weiß, die Bedruckung, die Schriftzüge, das Lederarmband… Es scheint, als habe Hanhart den ganzen Charme bewahren und auf die Neuauflage übertragen können. 

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Was es mit dem besonderen Namen auf sich hat – Hanhart Pioneer TachyTele

Um zu Beginn aufzuklären: die TachyTele leitet ihren Namen von zwei besonderen Charakteristika ab, die während der Lufteinsätze der Piloten damals essenziell waren. Die Charakteristika, ein Tachymeter und ein Telemeter befinden sich als zwei Skalen innen und außen auf dem Zifferblatt. Während man mit einem Tachymeter Geschwindigkeiten misst, lassen sich mit einem Telemeter Entfernungen bestimmen. Zur Funktionsweise aber später mehr…

Gehäuse und Uhrwerk

Das Gehäuse besteht aus gebürstetem Edelstahl. Es besitzt einen Durchmesser von 40 Millimetern, was früher der guten Ablesbarkeit diente und riesig gewirkt haben muss. Heute sind wir andere Maßstäbe gewohnt. Die Uhr wirkt an meinem Handgelenk aber definitiv nicht klein. DieHöhe von 15 Millimetern ist dem Automatikwerk „geschuldet“, dessen Basis ein Schweizer Valjoux ETA7753 ist. Wie es sich für ein Topmodell gehört, hat Hanhart hier aber nochmal Hand angelegt und das Automatikwerk am Stammsitz in Gütenbach im Schwarzwald zu einem HAN3703 umgebaut, um eine Asymmetrie zwischen den beiden Drückern und der Krone zu erzielen. Die Asymmetrie wurde damals extra für die Piloten angefertigt, um die Uhr auch noch mit klobigen Handschuhen optimal bedienen zu können. Hanhart Pioneer TachyTele Review. Ein weiterer Grund, warum Änderungen am Uhrwerk vorgenommen werden, besteht darin, die Totalisatoren für die kleine Sekunde und den 30-Minutenzähler bei 9 und 3 Uhr zu realisieren. Diese Anordnung ist heute nämlich unüblich.

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Betrieben wird das Uhrwerk mit 27 Steinen und mit einer Gangreserve von 42 Stunden. Das Gehäuse besitzt einen verschraubten Boden. Wasserdicht ist es bis zu einem Druck von 10bar / 10ATM, also bis zu einer Tiefe von 100 Metern.

Eine Hollywood-reife Liebesgeschichte

Ist Euch schon der untere der beiden Rückstelldrücker aufgefallen? Richtig, der ist im Gegensatz zum oberen rot. Dahinter steckt eine ja fast schon herzzerreißende Erzählung, die sich des Öfteren so zugetragen haben soll. Kampfpilot im Krieg war ein riskanter Beruf. Bei der Verabschiedung der Ehefrauen und der Familie wussten die Piloten nicht, ob sie ihre geliebten Menschen je wiedersehen würden. Als Beistand sollen die Ehefrauen vor einer Einsatzreise die Drücker ihrer Männer mit rotem Nagellack lackiert haben, damit diese immer an sie denken und sicher zurückkehren würden…

Ob das wirklich so passiert ist, weiß ich nicht und sei mal dahingestellt. Sicher hingegen ist, dass die roten Drücker, die bald zu Markenzeichen wurden, einen praktischen Grund hatten. Wenn es zu hektischen und brenzligen Momenten während des Flugs kam, sollte der rote Drücker die Piloten daran hindern, unbeabsichtigt die Stoppzeit zu verstellen.

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Heutzutage entwendet Hanhart unschuldigen Ehefrauen wohl kaum noch den Nagellack, was aber auch früher schon nicht passiert sein dürfte. Um das Abblättern der Farbe nicht zu riskieren, setzt man stattdessen auf eine Mischung aus Keramik und Kunststoff. Hanhart Pioneer TachyTele Review.

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Die Krone hat eine ausreichende Größe und ist gut bedienbar, was den Piloten zu Gute kam. Sie besitzt ein eingraviertes „H“.

Das Zifferblatt 

Fliegerchronographen waren für die Piloten Allzweck-Messinstrumente. Das Design des Zifferblatts der PIONEER TachyTele ist in erster Linie auf gute Ablesbarkeit und Funktionalität ausgerichtet. Alle Einstellungen mussten schließlich auch unter schwierigen Bedingungen wie Dunkelheit, Regen, Sturm oder Gewitter vorgenommen werden. Der Pilot musste seinem Chronographen vertrauen.

Hanhart Pioneer TachyTele Review
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Das Zifferblatt besteht aus einem Hauptindex sowie drei kleinen Skalen und zwei Totalisatoren. Stunden- und Minutenzeiger sind weiß und besitzen silbrige Applikationen, für mich ein besonderer Blickfang. Beschichtet sind sie übrigens mit „Super-Luminova“- Leuchtmasse. Sie zeigen die Uhrzeit an, die sich anhand von großen, in Outline-Schrift abgedruckten Ziffern ablesen lässt. Die bei 9 und 3 Uhr befindlichen Totalisatoren geben die kleine Sekunde und die 30-Minutenzeit an. Beide Totalisatoren sind aus dem Zifferblatt etwas herausgehoben. So lassen sie sich trotz des geringen Durchmessers optimal ablesen. Der Schriftzug „Automatic“ sowie das Hanhart-Logo verzieren das alt-weiße, fast schon cremig wirkende Zifferblatt, dass übrigens auch noch in schwarz erhältlich ist.

Tachy- und Telemeter

Der Blickfang der TachyTele von Hanhart sind die roten Applikationen auf dem Zifferblatt, die den roten Drücker gelungen wiederaufgreifen. Wie eine Schnecke dreht sich das Tachymeter in der Mitte des Zifferblattes ein. Kennt man nun eine Strecke von zum Beispiel einem Kilometer, kann man die Zeit stoppen, die etwa ein Auto für diese Strecke benötigt. So lässt sich für eine Zeit von 30 Sekunden eine Geschwindigkeit von 120 km/h errechnen. Da wir aber alle seit der Schule nicht mehr gerne rechnen, nimmt uns das Tachymeter im Alltag das Kopfrechnen ab und zeigt durch den feinen, ebenso roten Stoppzeiger die Geschwindigkeit direkt an. Die Skala reicht von 20 bis über 450 km/h und deckt somit gerade noch meine Geschwindigkeit auf der Autobahn ab.

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Das Telemeter wurde seit dem Ende des 18. Jahrhunderts benutzt, um Entfernungen zu messen. Und sorry für den Mathe- und Physikunterricht, den ich Euch hier erteile. Wie wir alle wissen, breitet sich das Licht schneller aus als der Schall. Um Entfernungen mit dem Telemeter bestimmen zu können, benötigen wir also ein entferntes Ereignis, dass sowohl sichtbar als auch hörbar ist – ein Gewitter etwa. Wir starten die Stoppzeit, wenn wir den Blitz sehen und stoppen, wenn wir den Donner hören. Die Distanz des Gewitters wird uns nun auf der roten, äußeren Telemeter-Skala angezeigt. Sie reicht von 0 bis 19 Kilometer. 

Die Lünette…

…gefällt mir kanneliert besonders gut! Sie besitzt eine rote Markierung und lässt sich sehr flüssig drehen. Hier wird noch einmal deutlich, wie durchdacht die Haptik und wie gut bedienbar die TachyTele selbst unter schwierigsten Bedingungen ist. Ablesbar ist die verstrichene Zeit in 10 Minutenschritten auf der äußersten, schwarz aufgedruckten Skala, die von der Lünette durch einen Ring aus Edelstahl getrennt ist, der das Gehäusedesign sehr schön aufgreift. Hanhart Pioneer TachyTele Review.

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Hanhart Pioneer TachyTele Review
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Die Robustheit dieses Chronographen wird durch den Einsatz von konvexem, beidseitig entspiegeltem Saphirglas unterstrichen. Obwohl heute wie auch vor 80 Jahren schon Sicherheitsvorkehrungen wie Stoßdämpfer eingebaut sind, setzt das Saphirglas noch einen oben drauf. Zudem wirkt sich die Entspiegelung positiv auf die Ablesbarkeit aus.

Das Armband

Meine TachyTele besitzt das braune Kalbslederarmband, was mir persönlich auch am besten gefällt. Der Tragekomfort ist äußerst angenehm. Wahlweise kann man aber auch auf ein hochwertiges Edelstahlarmband wechseln.

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Unterschiede zum Original und mein Fazit

„Das neue Modell ist raus und es unterscheidet sich nicht vom Vorgänger!“ Ein Satz, der in der Smartphone-Welt großes Bestürzen und Hysterien auslösen würde, ist für Uhrenliebhaber von legendären Modellen Musik in den Ohren. Die Hanhart PIONEER TachyTele ist so eine Uhr. Die Neuauflage zum 80-jährigen Jubiläum des Klassikers steht dem Original in Nichts nach. Gut, einige Unterschiede gibt es dann doch. So wurde die Ablesbarkeit des Zifferblatts insgesamt verbessert, indem man zum Beispiel die Tachymeter-Schnecke mit deutlich weniger Zahlen gekennzeichnet hat oder nun den Schriftzug „Automatic“ statt „17 Steine“ über 6 Uhr druckt. Dass Zeit ins Land gegangen ist, merkt man auch am Hanhart-Schriftzug bei 12 Uhr, der etwas modernisierter und reduzierter daherkommt.

Das tut dem ganzen jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Die Änderungen sind marginal und sinnvoll. 

Heutzutage können wir uns glücklich schätzen, in Europa keinen Krieg mehr und damit viel weniger Lufteinsätze mit Kampfjets zu haben. Was bleibt, ist unter anderem dieses Schmuckstück. Mit all den Erinnerungen an die Piloten auf ihren gefährlichen Einsätzen. Die PIONEER TachyTele kauft heute niemand mehr, um damit ernsthaft Entfernungen zum nächsten Ziel, Geschwindigkeiten oder verstrichene Zeit zu messen. Vielmehr geht es darum, die Qualität der damaligen Uhr zu schätzen und zu feiern – ihre Präzision, ihre Robustheit und Schönheit. Allen, denen dieses Meisterwerk der Technik für die damalige Zeit gefällt, kann ich den Fliegerchronographen nur wärmstens ans Herz legen. Die TachyTele ist und bleibt eben ein echter Pionier.

Hanhart Pioneer TachyTele Review
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Die in Deutschland gefertigte Uhr besitzt eine 2-Jahres-Garantie und ist abhängig von der Ausstattung ab 1.940,- € erhältlich.

WERK

  • Automatisches Chronographenwerk HAN3703
  • Basis: ETA7753
  • Vergrößerter Drückerabstand
  • 28.800 A/h, 4 Hz, 27 Steine
  • Gangreserve mind. 42h

FUNKTIONEN

  • Kleine Sekunde 
  • 30-Minuten Zähler
  • Tachymeter & Telemeter-Skala

GEHÄUSE

  • Edelstahl
  • Durchmesser 40 mm, Höhe 15 mm
  • Große Krone und roter Drücker
  • Kannelierte Lünette
  • Konvexes, beidseitig entspiegeltes Saphirglas
  • Geschraubter Gehäuseboden
  • Wasserdicht bis 10 bar/10 ATM

ZIFFERBLATT

  • Altweiß oder schwarz
  • Super-LumiNova® beschichtete Ziffern und Zeiger

ARMBAND

  • Kalbsleder oder Edelstahl

Galerie – Alle Fotos von WATCHDAVID®

Mehr über Hanhart hier:

Hanhart Homepage

Die Uhr TachyTele

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